Mit Beweisfoto, wir sind tatsächlich oben angekommen, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Heute muss Donnerstag sein – woher ich das weiß? Das Handy von Laura erinnert mich an den nächsten Blogbeitrag. Ansonsten haben wir jegliches Zeitgefühl verloren. So fand zum Beispiel unser Bacon und Rührei-Sonntagsfrühstück bereits am Samstag statt. Der „wir müssen heute nicht arbeiten“-Montagstanz wurde am Mittwoch nachgeholt. Während des Roadtrips entwickeln wir wohl einen anderen Tagesrhythmus. „Puh, heute sind wir aber spät im Bett“ war meine Aussage, als ich um 21.00 Uhr auf die Uhr guckte. Vielleicht liegt es an den vielen Dingen, die wir unterwegs erleben.

Nachdem wir unseren Traumstellplatz am Jeanneret Beach verließen, um weiter Richtung Norden zu fahren, hielten wir kurz an der örtlichen Bücherei in St. Helen. Das Free Wifi-Schild lockte uns an. Wie sich herausstellte, ist diese Bücherei im Besitz des wohl schnellsten Internetzugangs in der südlichen Hemisphere. Mit 3,5 MB die Sekunde konnten wir das Bildmaterial des letzten Monats innerhalb von 20 Minuten in der Dropbox sichern. Normalerweise bleibt der Laptop hierfür die komplette Nacht über angeschaltet. Zum Zeitvertreib hielt uns ein Hund namens Eddie bei Laune. Immer wieder legte er uns sein Stöckchen vor die Füße und wartete darauf, es wiederholen zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir ihn heute, genau eine Woche später, wieder sehen würden.

Die Strecke von St. Helen nach Launceston erwies sich als sehr kurvenreich, uns wurde sie als besonders schön und idyllisch verkauft. Laufend dachten wir, dass das Tempolimit auf den Schildern als Scherz gemeint ist. 100 km/h wo ich mir maximal 45 km/h zutraute. Idyllisch waren die Dörfer, die aus bis zu 10 Häusern bestehen, schon, sowie der kleine Bauernjunge in 70er-Schlaghose auf dem Möhrenfeld.

In Launceston, der zweitgrößten Stadt Tasmaniens, angekommen, reparierten wir als erstes meine Brille. Besser gesagt, der Optiker gab sein allerbestes, um aus dem geplätteten Fragezeichen wieder etwas tragbares zu machen. Irgendwer, Laura, hat die Brille auf den Rasen gelegt und irgendeiner, ich, hat nicht zugehört und drauf getreten. Dank des handwerklichen Geschicks unseres Optikers bin ich mit einem Schrecken davon gekommen.

Für Launceston planten wir nicht viel, lediglich eine „bekannte“ Schlucht wollten wir uns anschauen. Unverhofft befand sich an dieser ein öffentliches Schwimmbad direkt am Fluss. Da wir uns nicht mehr am Meer befanden und die Hitze unerträglich schwül war, kam diese Abkühlung zur richtigen Zeit. Nur der Weg zurück zum Auto, um unsere Badesachen zu holen, war mühsam. Aber hey, was nimmt man nicht alles in Kauf, für ungefähr 2 $ ersparte Parkgebühren und dafür etwas weiter außerhalb zu parken. So erfrischt ging es weiter ins Tamar Valley, bekannt für seinen Weinanbau. Laura probierte fünf verschiedene Weine bei Marions Vineyard, dem ältesten Tasmaniens, und heraus kam eine Flasche Rosé, die wir mitnahmen. Unseren Stellplatz für die Nacht fanden wir zufällig, weil wir zum Wein auch Käse brauchten. Auf dem Weg zum lokalen Supermarkt sahen wir einen kleinen Parkplatz am Wasser mit einer Wiese. Am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht. Auf der Wiese befanden sich plötzlich 20 Marktstände und fast wären wir durch die Musikkapelle geweckt worden. Es war Australia Day, der Tag an dem die Briten das Land für sich beanspruchten.

Da ist ja noch ein Schwimmbad und der Fluss ist gar nicht türkis, Launceston, Tasmanien | wat-erleben

Da ist ja noch ein Schwimmbad und der Fluss ist gar nicht türkis, Launceston, Tasmanien | wat-erleben

Der Weinberg von Marion lädt zum Tasting ein, Tamar Valley, Tasmanien | wat-erleben

Der Weinberg von Marion lädt zum Tasting ein, Tamar Valley, Tasmanien | wat-erleben

Unser Stellplatz am Gravely Beach, die Beule war schon da, Tasmanien | wat-erleben

Unser Stellplatz am Gravely Beach, die Beule war schon da, Tasmanien | wat-erleben

Und so sind wir aufgewacht, Gravely Beach, Tasmanien | wat-erleben

Und so sind wir aufgewacht, Gravely Beach, Tasmanien | wat-erleben

Wir feierten nicht mit, für uns stand der Weg zum Cradle Mountain National Park an. Unterwegs wollten wir die angeblich zweitschönsten Wasserfälle von Australien bestaunen. Das ging leider nicht, die Straße war wegen eines Waldbrandes gesperrt. Die Alumn Cliffs, die wir etwas später erreichten, sind dafür ganz nett. Zu unrecht werden die Klippen im Reiseführer lediglich in einem Nebensatz erwähnt.

So schön waren die Liffey Falls, Tasmanien | wat-erleben

So schön waren die Liffey Falls, Tasmanien | wat-erleben

Die Alumn Cliffs, Tasmanien | wat-erleben

Die Alumn Cliffs, Tasmanien | wat-erleben

Im Besucherzentrum von Cradle Mountain erfuhren wir, dass wir den Startpunkt unserer Wanderung nur mit dem Shuttlebus erreichen. Die Strecke ist für Campervans und größere Wohnmobile gesperrt. Der erste Bus fährt um 08.15 Uhr los. Man konnte mir die Enttäuschung richtig ansehen, anstelle von 05.00 Uhr konnten wir erst um 07.00 Uhr aufstehen. Die von uns zurückgelegte Wanderstrecke betrug rund 13 km mit einem kurzen Abstecher auf den Gipfel des Cradle Mountains. Die letzten 100 Meter auf die Spitze des Berges glichen eher einer Kletterroute wie beim Bouldern, nur halt etwas länger und ohne Matte. Alle Anstrengungen vergisst man ganz schnell bei der gebotenen Aussicht, selbst das Fluchen viel auf dem Rückweg geringer aus. Wir kamen zum richtigen Zeitpunkt, beim Abstieg zogen sich die Wolken zu und innerhalb von fünf Minuten war die Sicht gleich Null. Zweieinhalb Stunden später erreichten wir den Parkplatz, wo uns der Shuttlebus aufgabelte. Anscheinend sah man uns die gewanderte Strecke an. Der Busfahrer fragte wie denn der Gipfel heute so sei. 

Kollege Ameisenbär ist stets schwer beschäftigt, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Kollege Ameisenbär ist stets schwer beschäftigt, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Der Start des 80 km langen Overland Tracks, wir sind nur einen Bruchteil davon gewandert, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Der Start des 80 km langen Overland Tracks, wir sind nur einen Bruchteil davon gewandert, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Leider sahen nur die ersten 10 Minuten vom Wanderweg so entspannt aus, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Leider sahen nur die ersten 10 Minuten vom Wanderweg so entspannt aus, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Das Ziel in weiter Ferne, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Das Ziel in weiter Ferne, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

So kann ein Wanderweg also auch aussehen, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

So kann ein Wanderweg also auch aussehen, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Mit Beweisfoto, wir sind tatsächlich oben angekommen, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Mit Beweisfoto, wir sind tatsächlich oben angekommen, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Es ging hoch hinaus, teilweise sogar mit Kette zum festhalten, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Es ging hoch hinaus, teilweise sogar mit Kette zum festhalten, Cradle Mountain, Tasmanien | wat-erleben

Aufgrund des Tipps einer deutschen Toilettenbekanntschaft von Laura, fuhren wir über Burnie nach Boat Harbor, hoch oben in den Norden. Hier sahen wir zum ersten Mal die Mohnfelder, von denen wir bereits gelesen haben.  Tasmanien produziert 50 Prozent des weltweiten Bedarfs an legalem Opium.

Eigentlich sollte der Stellplatz am Harbor Beach der „Beste“ auf der ganzen Insel sein. Für uns war er überlaufen und zu touristisch. Da wir sehr flexibel sind, fuhren wir zurück in die andere Richtung, zum Narawntapu Nationalpark – der Serengeti Tasmaniens.

Es war wohl Schicksal, dass wir hier gelandet sind. In der Nacht sahen wir den schönsten Sternenhimmel, den man sich denken kann. Es gab mehr Sternschnuppen als Wünsche vorhanden waren. Wunschlos glücklich sozusagen.

Anscheinend wurde hier schon mal für den Eigenbedarf geerntet, Burnie, Tasmanien | wat-erleben

Anscheinend wurde hier schon mal für den Eigenbedarf geerntet, Burnie, Tasmanien | wat-erleben

Wir teilen gerne unseren Campingplatz, Narawntapu NP, Tasmanien | wat-erleben

Wir teilen gerne unseren Campingplatz, Narawntapu NP, Tasmanien | wat-erleben

Die Milchstraße kann man nicht übersehen, den kleinen Wagen fanden wir auch, Narawntapu, Tasmanien | wat-erleben

Die Milchstraße kann man nicht übersehen, den kleinen Wagen fanden wir auch, Narawntapu, Tasmanien | wat-erleben

Am nächsten Morgen machten wir uns bereits um 06.00 Uhr auf und wanderten zum Aussichtspunkt Archers Knob. Gegen 07.00 Uhr bewunderten wir die aufgehende Sonne. Zurück ging es am Strand entlang, begleitet von unzähligen Fliegen, die uns zum Fressen gern hatten.

Der Narawntapu National Park von oben, Tasmanien | wat-erleben

Der Narawntapu National Park von oben, Tasmanien | wat-erleben

Der weitere Tagesablauf stand nicht fest. Normalerweise wären wir die komplette Westküste runtergefahren. Derzeit leidet vor allem der Westen und Süden unter heftigen Waldbränden. Viele Straßen sind gesperrt und Einwohner müssen evakuiert werden. Uns blieb nur der Weg zurück an die Ostküste. Glücklicherweise hat jedes dieser idyllischen Dörfer eine Versammlungshalle, die freies Wlan zur Verfügung stellt. An der Tankstelle samt Tankwart, der mit seiner Latzhose, dem zotteligem Bart und Truckermütze auch in einem Horrorfilm mitspielen könnte, mussten wir somit nicht anhalten, um die neue Route zu planen. Spontan buchten wir eine Surfstunde bei Gary, Inhaber der 42 South Surf School – der einzigen Schule an der Küste. Etliche kurvenreiche Kilometer später, befanden wir uns im Meer und bezwangen mal mehr und mal weniger erfolgreich die Wellen. Wenn ich den Tag zusammenfasse, kommen wir auf 8 km wandern, 220 km Autofahrt und 2 Stunden Wellenreiten. Kein Wunder, dass wir so gut schlafen konnten.

Gelernt ist gelernt, Scamander, Tasmanien | wat-erleben

Gelernt ist gelernt, Scamander, Tasmanien | wat-erleben

Laura sieht lässiger aus und hatte weniger bis gar keinen Muskelkater, Scamander, Tasmanien | wat-erleben

Laura sieht lässiger aus und hatte weniger bis gar keinen Muskelkater, Scamander, Tasmanien | wat-erleben

Zurück in St. Helen besuchten wir die Sehenswürdigkeiten, für die wir anfangs keine Zeit einplanten. Die Touristen-Info empfahl uns die Columba-Falls, die Käserei und einen Pub. Diese drei profitieren von den Waldbränden, so viele Besucher waren vermutlich noch nie zuvor da. Vor allem die Käserei hat uns überrascht. Neben gutem Käse probierten wir das selbstgemachte Eis. Es gab Limette-Myrte und Leatherwood-Honig, beides hervorragend. Übernachtet wurde wieder am Jeanneret Beach.

Fast so gut wie der Old Amsterdam, Pyengana, Tasmanien | wat-erleben

Fast so gut wie der Old Amsterdam, Pyengana, Tasmanien | wat-erleben

Heute morgen saßen wir vor der Bücherei und nutzten das schnelle Internet, buchten einen Campervan für Neuseeland und planten die verbleibenden zwei Tage.  Hier trafen wir Eddie wieder und natürlich hatte er seinen Stock dabei. Haben wir schon erwähnt, dass es in einer Woche nach Neuseeland geht?

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