Nach dem nächtlichen Besuch unseres Doktors, schienen die verabreichten Medikamente zu wirken, wir waren wieder reisefähig, für unsere vorletzte Unterkunft. Wir frühstückten ein letztes Mal mit Romy & Co. und verabschiedeten uns von den dreien. Im Anschluss wurden wir von einem Fahrer nach Ubud gebracht, Hochburg des Yogas, Heimat und Zufluchtsort für alle Arten spirituell angehauchter Menschen. Wie wir vorher bereits in Erfahrung brachten, wäre das Zentrum von Ubud wahrscheinlich nicht unser Ding, zu viel Trubel. Daher lag unsere Unterkunft außerhalb des Dorfes. Dort muss man für die Aussicht und das fotografieren der Reisfelder nämlich kein Geld bezahlen. Die Reisfelder werden tatsächlich landwirtschaftlich genutzt und nicht für Instagram schön gehalten. In diesem Zusammenhang meine liebste Hotelkritik: „Vor unserem Zimmer war das Reisfeld braun und man sah nur eine Wasserpfütze“ – oh, hat da etwa wer geerntet, um seine Familie zu ernähren? So was Unverschämtes. Ich glaube, über Hotelkritiken könnte ich einen eigenen Blogbeitrag schreiben.

Der perfekte Ort um wieder Gesund zu werden, Ubud, Indonesien | wat-erleben

Der perfekte Ort um wieder Gesund zu werden, Ubud, Indonesien | wat-erleben

So sehen Reisfelder kurz vorm einpflanzen aus, Ubud, Indonesien | wat-erleben

So sehen Reisfelder kurz vorm einpflanzen aus, Ubud, Indonesien | wat-erleben

Immer noch etwas angeschlagen von der kurzen Nacht erholten wir uns pendelnd zwischen Bett und Pool. Der zweite Tag sah ähnlich aus, nur dass wir Mittags von unserem Gastgeber zum Essen eingeladen wurden. Das passiert dir nicht in einem „normalen“ Hotel.

Gebratene Nudeln zum Frühstück, is ok, Ubud, Indonesien | wat-erleben

Gebratene Nudeln zum Frühstück, is ok, Ubud, Indonesien | wat-erleben

Wie ein Hotelbunker funktioniert, durften wir während der letzten zwei Nächte erfahren. Diese verbrachten wir in Flughafennähe, in dem Ort Nusa Dua. Es fing damit an, dass unser Auto am Eingang der Hotelzone durchsucht wurde. Touristen und Einheimische, die einen touristischen Auftrag haben, dürfen den abgesperrten Bereich betreten. Wo sind wir gelandet? Wir hätten auch in einer Siedlung in Florida sein können, die Gärten akkurat geschnitten und hier und da mal ein Springbrunnen.

Hinter dem Eingang zur Hotelzone befindet sich der Sicherheitscheck, Nusa Dua, Indonesien | wat-erleben

Hinter dem Eingang zur Hotelzone befindet sich der Sicherheitscheck, Nusa Dua, Indonesien | wat-erleben

Die Dame an der Rezeption bestand auf die vorgeschriebene Check-In Zeit von 14.00 Uhr. Das allererste Mal auf unserer Reise mussten wir tatsächlich auf ein Zimmer warten. Dafür verwickelte uns der junge Gepäckträger in ein nettes Gespräch, was er so in der Art wahrscheinlich zehnmal am Tag führt. Unser Zimmer ist für ein vier Sterne Hotel nichts besonderes, jetzt machte die vorwurfsvolle Frage der Rezeptionistin mehr Sinn: „Sie haben also das STANDARD-Doppelzimmer OHNE Frühstück gebucht?“.

Aus den beworbenen drei Minuten zum Strand wurden realistische zehn Minuten. Der Gang dorthin lohnte sich, handelte es sich doch um den schönsten Strandabschnitt, den wir bis jetzt auf Bali sahen. Was vielleicht daran lag, dass jedes Hotel einen privaten Abschnitt führt und diesen sauber hält. Leider können sie den Müll nicht so schnell wegräumen wie er angespült wird.

Traum- oder Alptraumstrand, den Müll sieht man leider nicht gut, Nusa Dua, Indonesien | wat-erleben

Traum- oder Alptraumstrand, den Müll sieht man leider nicht gut, Nusa Dua, Indonesien | wat-erleben

Ahhh, letzter Abend am Strand, Nusa Dua, Indonesien | wat-erleben

Ahhh, letzter Abend am Strand, Nusa Dua, Indonesien | wat-erleben

Mangels Alternativen aßen wir im hoteleigenen Restaurant. Der erste Blick in die Speisekarte verwirrte uns direkt. Pizza, Pasta, Cordon Bleu und Banana Split zum Nachtisch? Wo ist denn die indonesische Küche abgeblieben, die wir auf dem Aushang im Zimmer sahen? Wie sich herausstellte, gab es zwei grundsätzlich verschiedene Karten im Restaurant. Irritiert händigte uns die Bedienung die zweite Karte aus. Wir freuten uns, als wir Mie Goreng und Saté bestellten, wir hatten vorher bereits eher unschöne Erfahrungen mit dem westlichen Essen sammeln dürfen. Dennoch wird es wohl seinen Grund haben, warum man Cordon Bleu und Spaghetti Carbonara auf der Speisekarte wieder findet. Jeder hat schließlich andere Ansprüche an seinen Urlaub. Wir zum Beispiel waren ganz enttäuscht, als wir keinen Gecko an der Zimmerdecke fanden. Dieser gehört normalerweise zur Ausstattung eines STANDARDZIMMERS in Asien. Zum Glück bekamen wir am Ende unserer Reise die Bestätigung, dass wir die komplette Zeit nicht vollkommen verkehrt gereist sind. Hotel ist nicht so unser.

Unser Rückflug kam immer näher und unsere Sorgen, ob wir den zwölfstündigen Flug mit einer Billigfluggesellschaft überstehen werden, waren vollkommen unbegründet. Bei der Gepäckaufgabe fragte man uns, ob es OK sei, wenn wir am Notausgang sitzen würden. Puuuh, schwierige Entscheidung, hatten wir doch vorher ernsthaft überlegt, ob uns mehr Beinfreiheit die zusätzlichen 80 Euro je Sitzreservierung Wert seien. Laura schaltete am schnellsten und fragte direkt, ob wir nicht nur für den Flug von Bali nach Singapur, sondern auch für den Anschlussflug von Singapur nach Berlin am Notausgang sitzen dürften. Dies sei kein Problem sagte man uns, das Grinsen bekamen wir nicht mehr aus dem Gesicht.

Das Grinsen wurde noch größer, als wir am Flughafen in Singapur wieder im Foodcourt aßen. Wir futterten uns quer durch die Essensstände, so lecker war es lange nicht mehr. Im Anschluss ignorierten wir gekonnt den Satz: „mit vollem Bauch schwimmt man nicht“. Wann hat man schon die Möglichkeit, in einem Flughafen ein paar Bahnen zu ziehen und vom Whirlpool aus die landenden Flugzeuge zu beobachten? Das gibt es selbstverständlich in Singapur, wo sonst?

Es gibt einfach zuviele Fotos auf denen ich zufrieden grinse, weil es endlich Essen gibt, Singapur | wat-erleben

Es gibt einfach zuviele Fotos auf denen ich zufrieden grinse, weil es endlich Essen gibt, Singapur | wat-erleben

Ein Whirlpool mit Blick auf die Landebahn, gibt es so nur in Singapur | wat-erleben

Ein Whirlpool mit Blick auf die Landebahn, gibt es so nur in Singapur | wat-erleben

Im Flugzeug selbst freuten wir uns immer noch über unsere Sitzplätze. Der Flug wäre daher ziemlich unspektakulär gewesen, wenn nicht vor unseren Augen eine ältere Dame regelmäßig in Ohnmacht gefallen wäre. Nachdem das komplette Flugzeug aus dem Schlaf gerissen wurde und sich eine Ärztin fand, stellte sich zum Glück heraus, dass die Dame nur zu wenig gegessen und getrunken hatte. Für einen kurzen Moment sahen wir uns auf einem sibirischen Flughafen notlanden.

Es trennen uns zwölf Stunden Flug von Deutschland, Singapur | wat-erleben

Es trennen uns zwölf Stunden Flug von Deutschland, Singapur | wat-erleben

Die Landung in Berlin war zweifelsfrei ein Schock. Uns empfingen fünf Grad, definitiv 25 Grad zu wenig. Die Stewardessen wussten wohl bereits vorab von den Temperaturen in Deutschland und bereiteten uns mit der viel zu kalt eingestellten Klimaanlage im Flugzeug darauf vor. Sie wunderten sich, warum ich keine lange Hose an hatte. Wir hingegen waren schlecht vorbereitet, mangels Winterklamotten zogen wir fünf T-Shirts übereinander an. Übrigens, das Gefühl wieder in Deutschland zu sein, fühlt sich an, als wenn wir einfach nur im nächsten Reiseland angekommen wären.

Glücklicherweise fiel der erwartete Jetlag geringer aus als gedacht, denn wir erkundeten den ganzen Tag die Stadt zu Fuß an der frischen Luft. Der erste Rechtsverkehr seit sechs Monaten erforderte unsere volle Aufmerksamkeit. Es wäre ja zu lustig, wenn jetzt was passiert, nachdem wir die Straßen von Thailand und Indonesien unversehrt überstanden. Wir nutzten die Zeit, um uns zu akklimatisieren. Am besten funktioniert dies mit einem Besuch beim Bäcker, einer Curry-Pommes-Mayo oder Hamburgern. Auch die Menschen empfingen uns stets freundlich. So fragte Laura den Imbissbesitzer, ob er die BBQ-Soße selbst herstellen würde.  Seine Antwort in berlinerisch geschrien: „Näää, machst du die etwa selbst? Weißt du überhaupt wie lange det dauert? Zehn Stunden“. Äh, ja gut, war nur ne Frage. Herzlicher hingegen waren da unsere Besuche bei den Neffen von Laura, bei unserem alten Schulkollegen Hendrik sowie das Treffen mit meinem Cousin.

Unsere Reise endet, wie sie angefangen hat, Berlin | wat-erleben

Unsere Ankunft in Berlin nach 365 Tagen Reisen | wat-erleben

Erstmal schön das Touriprogramm ablaufen, Berlin | wat-erleben

Erstmal schön das Touriprogramm ablaufen, Berlin | wat-erleben

Ein Jahr ohne Currywurst, machbar aber schwierig, Berlin | wat-erleben

Ein Jahr ohne Currywurst, machbar aber schwierig, Berlin | wat-erleben

Die Kleinen sind ja soooo groß geworden, Berlin | wat-erleben

Die Kleinen sind ja soooo groß geworden, Berlin | wat-erleben

Hendrik, das wandelnde Lexikon, Berlin | wat-erleben

Hendrik, das wandelnde Lexikon, Berlin | wat-erleben

Kein Wunder also, dass die Zeit so schnell rum ging und wir uns plötzlich im Zug nach Bad Bentheim wiederfanden. Überraschenderweise war die Bahn auf die Minute pünktlich. Am Bahnsteig wartete bereits unsere Familie auf uns (Taxi Mama funktioniert immer noch). Hatten wir vorher keine bis gemischte Gefühle, überkam es uns doch sehr schnell, als wir alle in die Arme schlossen und fester als fest drückten. Die Nerven beruhigten wir mit einem Glas Sekt, bevor es mit Erdbeerkuchen und Gegrilltem weiterging.

Wir sind wieder da, Bad-Bentheim | wat-erleben

Wir sind wieder da, Bad-Bentheim | wat-erleben

Unser Empfangskomitee am Bahnsteig, Bad-Bentheim | wat-erleben

Unser Empfangskomitee am Bahnsteig, Bad-Bentheim | wat-erleben

 

Selfietime, der kleine Nils hat das Foto gemacht, Heiden | wat-erleben

Selfietime, Heiden | wat-erleben

Unser Zuhause für die nächsten Wochen, Heiden | wat-erleben

Unser Zuhause für die nächsten Wochen, Heiden | wat-erleben

Am nächsten Tag wurde nichts aus unserem geplanten Entspannungstag. Mittags gab es eine kleine Überraschungsparty, stand doch mein Stammtisch samt Anhang vor der Haustür, im Handgepäck Bier und Würstchen und wir im edelsten Gammellook. Zum Glück hatten wir bereits unsere Zähne geputzt, ansonsten wären die Umarmungen nicht so großzügig ausgefallen.

Wer steht denn da vor der Tür, Heiden | wat-erleben

Wer steht denn da vor der Tür, Heiden | wat-erleben

Die Überraschung ist gelungen, Heiden | wat-erleben

Die Überraschung ist gelungen, Heiden | wat-erleben

Wie es die nächste Zeit mit uns weitergeht, wissen wir noch nicht. Für uns heißt es erst einmal ankommen und die Reise sowie das letzte Jahr verarbeiten.

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