Wir sind tatsächlich aus einem Flugzeug gesprungen. Glauben kann ich es immer noch nicht. Pläne für den weiteren Tagesverlauf hatten wir keine. Bei der Touristeninfo ließen wir uns über mögliche Tageswanderungen beraten und buchten letztendlich ein Wassertaxi für den nächsten Morgen, zum Ausgangspunkt unserer Wanderung im Abel Tasman Nationalpark. Im Anschluss statteten wir dem nahegelegen Strand einen Besuch ab, vor allem wegen den öffentlichen Duschen. Nicht, dass wir es nötig hätten, aber wenn sich die Gelegenheit bietet, sollte man sie auch nutzen.

Auf unserem Stellplatz findet jeden Sonntag ein kleiner Markt statt, deswegen durften wir bereits gegen 6:00 Uhr den Parkplatz verlassen. Dies fiel uns nicht schwer, denn neben uns baute überfrüh der deutsche Bratwurst-Stand sein Lager auf. Vielleicht tat er dies etwas lauter als nötig, um die anderen Camper zu wecken. Wirklich wach wurden wir erst am Strand bei Sonnenaufgang und nach einem starkem Kaffee. Vor uns lagen 17 km durch den Abel Tasman Nationalpark. Den Startpunkt unserer Wanderung erreicht man nur mit einem Boot. Das Boot wiederum wartete am Parkplatz auf uns. Bei der ersten Tour des Tages wird dieses Wassertaxi mit dem Trecker, samt Passagiere, zum Bootsanleger gefahren und zu Wasser gelassen. Unser Kapitän hielt am Wahrzeichen des Parks, dem Split Apple Rock, sowie an der örtlichen Robbenkolonie. Die Jungtiere, gerade mal acht Wochen alt, sind so süüüüüß.

Taxi? - alle Mann an Bord, Abel Tasman, Neuseeland | wat-erleben

Taxi? – alle Mann an Bord, Abel Tasman, Neuseeland | wat-erleben

Wie vom Blitz getroffen, Split Apple Rock, Abel Tasman NP, Neuseeland | wat-erleben

Wie vom Blitz getroffen, Split Apple Rock, Abel Tasman NP, Neuseeland | wat-erleben

Am Strand der Tauranga Bay gingen wir von Bord. Verlaufen konnten wir uns nicht, das Wasser immer zur linken Seite und alles ist gut. Der Weg verlangte uns nicht wirklich viel ab, er war nur lang. Das erste Mal, wo wir wirklich ins Schwitzen kamen, war, nachdem wir uns dazu entschieden, dass die Bucht unter uns ein schöner Ort zum Mittagessen sei. Der Wegweiser verriet einem nicht, dass die 500 Meter steil bergab gingen. Runter ist okay, der Weg zurück ist nicht ganz okay. Umso schöner war da die Abkühlung im türkis blauen Wasser, von dem es hier jede Menge gibt. Insgesamt brauchten wir fünf Stunden, die Füße qualmten zu Recht.

Sieht aus wie Südsee – hat die Temperatur der Nordsee, Abel Tasman, Neuseeland | wat-erleben

Sieht aus wie Südsee – hat die Temperatur der Nordsee, Abel Tasman, Neuseeland | wat-erleben

Auf halber Strecke mussten wir uns Abkühlen, Abel Tasman, Neuseeland | wat-erleben

Auf halber Strecke mussten wir uns Abkühlen, Abel Tasman, Neuseeland | wat-erleben

Nach dieser erbrachten Leistung reichte unser Standard-Camper-Essen nicht mehr aus. Wir besuchten ein thailändisches Restaurant und hatten tatsächlich das erste Mal seit langem wieder so eine Art Sättigungsgefühl, was an unserem reichhaltigen Drei-Gang-Menü lag.

Die Nacht verbrachten wir wieder am gleichen Parkplatz und durften früh raus, dieses Mal erst gegen 7:00 Uhr. Gefrühstückt wurde am Meer. Uns fiel auf, dass die Bewohner von Motueka wohl Morgenmuffel sind oder Vorurteile gegen unseren Van haben. Auf jeden Fall grüßte uns keiner zurück. Bei einer war ich mir nicht ganz sicher, deswegen fragte ich bei Laura nach, ob sie zurückgrüßte oder mit ihrem Hund sprach. Sie unterhielt sich mit ihrem Hund.

Die Tagesetappe hieß Nelson und ist eine kleine Stadt, rund 50 km entfernt. Wir ließen es ruhig angehen und sicherten uns einen der vier Campingspots am Hafengelände. Zur Innenstadt waren es nur eineinhalb Kilometer. Hier machten wir es uns in der Fußgängerzone gemütlich und nutzten das freie WLAN für die weitere Routenplanung. Wir staunten nicht schlecht, als wir am Ende des Tages einen Flug auf die Nordinsel samt 10-tägiger Rundreise buchten, sowie einen Weiterflug nach Tokio. Ja, richtig. Ganz glauben kann ich es nicht, aber unser nächstes Reiseland Japan ist fix.

Den folgenden Tag nahmen wir uns Zeit für die Reise zum nächsten Highlight. Die Route führte uns tief in die Marlborough Sounds. Wir wussten bereits, dass je abgelegener ein Ort ist, desto anstrengender wird die Straße. So war es auch diesmal, jede Menge Kurven und zum Ende hin 20 Kilometer Schotterpiste. Das Auto bedeckte eine Millimeter dicke Staubschicht. Den Campingplatz teilten wir uns mit Kühen und Schafen. Die Wahl des Stellplatzes war alles andere als ein Glücksgriff. Nachmittags versprachen die Bäume Schatten, gegen Abend wurde es jedoch windiger und kleine Beeren fielen ununterbrochen auf das Dach. An Schlaf war nicht zu denken, sodass ich nachts das Auto drei Meter weiter nach vorne fuhr.

Die Marlborough Sounds warteten auf uns, Neuseeland | wat-erleben

Die Marlborough Sounds warteten auf uns, Neuseeland | wat-erleben

Von oben einmalig, wir mussten noch komplett runter fahren – auch einmalig, Titirangi Bay, Neuseeland | wat-erleben

Von oben einmalig, wir mussten noch komplett runter fahren – auch einmalig, Titirangi Bay, Neuseeland | wat-erleben

Schöne Kulisse zum Übernachten – viel wichtiger, ich kühle die Bisse der Sandfliegen, Titirangi Bay, Neuseeland | wat-erleben

Schöne Kulisse zum Übernachten – viel wichtiger, ich kühle die Bisse der Sandfliegen, Titirangi Bay, Neuseeland | wat-erleben

Selbst auf unserem Stellplatz befanden sich Schafe, Titirangi Bay, Neuseeland | wat-erleben

Selbst auf unserem Stellplatz befanden sich Schafe, Titirangi Bay, Neuseeland | wat-erleben

Jetzt zum eigentlichen Höhepunkt der Reise – die Mikhail Lermontov. Ein 148 Meter langes Kreuzfahrtschiff, gesunken 1986 vor der Küste Neuseelands. Keiner weiß, warum der ortskundige Lotse zwischen den Felsen des Leuchtturms und der Küstenlinie fahren wollte. Bei diesem Manöver riss er ein Loch in die Außenwand des Schiffes. Fünf Stunden später befand sich das Schiff in Seitenlage, auf dem Meeresboden, in 30 Meter Tiefe. Während unserer beiden Tauchgänge schafften wir nur einen Bruchteil des Schiffes zu erkunden. Unwirklich kam es uns vor, wenn zum Beispiel die Wand neben einem normalerweise zum Fußboden des Sonnendecks gehörte. Durch die Panoramafenster sahen wir das ehemalige Kino, den Friseursalon oder die Offiziersbar, zumindest das, was davon übrig ist. Laura goss uns einen Meerwasser-Kaffee aus dem alten Schiffsporzellan ein. Eine wahrlich einmalige Gelegenheit. Vielen Dank an den Lotsen, der dies erst ermöglichte.

Früher Top Holiday - heute Top Diving, Port Gore, Neuseeland | wat-erleben

Früher Top Holiday – heute Top Diving, Port Gore, Neuseeland | wat-erleben

Die neuen Bewohner des Schiffes, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Die neuen Bewohner des Schiffes, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Immer dem Panoramadeck entlang – rechts der Fußboden, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Immer dem Panoramadeck entlang – rechts der Fußboden, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Es gab frische Muscheln zur Vorspeise, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Es gab frische Muscheln zur Vorspeise, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Dieser Fisch war fasziniert von Lauras Augen, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Dieser Fisch war fasziniert von Lauras Augen, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Irgendwie fanden die Fische Laura interessanter, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Irgendwie fanden die Fische Laura interessanter, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Zur Nachspeise ein Schluck Kaffee, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Zur Nachspeise ein Schluck Kaffee, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Das Innenleben betauchen wir ein anderes Mal, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Das Innenleben betauchen wir ein anderes Mal, Lermontov Wreck, Neuseeland | wat-erleben

Die Mikhail Lermontov, Port Gore, Neuseeland | wat-erleben

Die Mikhail Lermontov, Port Gore, Neuseeland | wat-erleben

Wir erkundeten die oberen beiden Decks der Lermontov, Port Gore, Neuseeland | wat-erleben

Wir erkundeten die oberen beiden Decks der Lermontov, Port Gore, Neuseeland | wat-erleben

Die Tauchbasis durften wir erst drei Stunden später verlassen, da wir auf dem Weg zurück in die Zivilisation rund 700 Höhenmeter überwinden müssen. Die Höhe verträgt sich nicht so gut mit dem vom Tauchen angereicherten Stickstoff in unserem Blut. Es würde ausperlen und womöglich Adern verstopfen, oder durch die Haut an die Oberfläche dringen, dies nennt man dann Taucherflöhe. Wir warteten also bis wir den Stickstoff vollständig abatmeten.

An diesem Tag brachten wir lediglich die 20 Kilometer Schotterstraße hinter uns und hielten an einem Campingplatz direkt am Wasser. Selbst hier, wirklich weit weg von allem, konnten wir mit der Kreditkarte bezahlen. Da hinkt Deutschland ein wenig hinterher, an der Technik liegt es nicht.

Das Gefühl, wenn die Schotterpiste zu Asphalt wechselt, ist fast so schön wie dieser Sonnenuntergang, Marlborough Sounds, Neuseeland | wat-erleben

Das Gefühl, wenn die Schotterpiste zu Asphalt wechselt, ist fast so schön wie dieser Sonnenuntergang, Marlborough Sounds, Neuseeland | wat-erleben

Gut erholt und ausgeschlafen gaben wir uns die restlichen, kurvigen 50 Kilometer. Das Weingebiet rund um Blenheim stand auf unserer Liste. Nachdem wir die angebotenen Touren und Empfehlungen im Besucherzentrum studierten, entschlossen wir uns dazu, die Weintour zu streichen und lieber direkt in zwei Flaschen Wein zu investieren. Das Geld ist hier auf jeden Fall besser angelegt. Wir schafften lediglich eine der beiden Flaschen, ohne Kühlung macht es nur halb soviel Spaß.

Sonnenuntergänge an unseren Stellplätzen haben es uns vermutlich angetan, Blenheim, Neuseeland | wat-erleben

Sonnenuntergänge an unseren Stellplätzen haben es uns vermutlich angetan, Blenheim, Neuseeland | wat-erleben

Der letzte Tag stand bevor. Wir mussten zurück nach Christchurch, beziehungsweise wollten wir für die letzte Nacht so nah ran fahren wie möglich. Die Strecke führte immer an der Küste entlang. Links unzählige Seelöwen-Kolonien. Rechts genau so viele  Baustellen. Vor zwei Jahren hat ein Erdbeben den kompletten Highway durcheinander gewürfelt. An jeder Baustelle stehen Arbeiter, dessen Aufgabe es ist, den Verkehr zu regeln. Wobei die eigentliche Hauptaufgabe darin besteht, jedem einzelnen Auto (zurück) zu winken.

Eine kühle Nacht später, die wirklich erste kalte Nacht in Neuseeland, gaben wir unseren „lieb gewonnenen“ Camper zurück. Wir mussten feststellen, dass es Fahrzeuge von Wicked gibt, die komplett neutral aussehen. Schwarz, weiß, silber. Es war ja klar, dass wir den buntesten erwischten. Und nochmal: „You get, what you pay for“!

Südinsel Neuseeland, Roadtrip-Route | wat-erleben

Südinsel Neuseeland, Roadtrip-Route | wat-erleben

Zwei Stunden später befanden wir uns am Flughafen. Weitere zwei Stunden später im Flieger und 80 Minuten später in Auckland. Von hier aus wollen wir der Nordinsel eine Chance geben, um zu zeigen, was sie so kann. Vor allem wollen wir mit dem Vorurteil aufräumen, dass die Südinsel die Bessere sowie Schönere seien soll. Dieses Mal steht uns ein kleiner Mietwagen zur Verfügung, die Nächte verbringen wir in Airbnb´s. Das Camper-Leben hat uns einiges an Komfort und Hygiene abverlangt, sodass dies nun purer Luxus sein wird.

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