Heute vor einer Woche wohnten wir noch in Hobart und schafften es mal bis an den Strand runter. Was uns da empfing, erinnerte uns an den Strand von Melbourne. Ein Schild, welches vor verunreinigtem Wasser warnt. Erst kürzlich, an Silvester, ist den örtlichen Wasserwerken aufgefallen, dass ihr Klärwerk für drei Tage nicht beaufsichtigt war und Abwasser in der Größenordnung von vier Schwimmbädern ins Meer gelangte. So macht das Schwimmen doch gleich viel mehr Spaß. Wir begnügten uns damit, dass Lilly, der Haushund, uns mit auf einen Spaziergang durch ihr Revier nahm.

Ein hoch auf die internationale Wasserqualität, Hobart | wat-erleben

Ein hoch auf die internationale Wasserqualität, Hobart | wat-erleben

Unterwegs mit Lilly, Hobart | wat-erleben

Unterwegs mit Lilly, Hobart | wat-erleben

Das Revier unserer Gastgeberin war die Küche, wir konnten Sie dennoch mit einigen deutschen Rezepten beeindrucken. Endlich durfte ich Brot backen. Unter Brot verstehen die Australier übrigens ein normales Toastbrot. Erst wenn das Toastbrot wirklich getoastet wird, dann spricht man von einer Scheibe Toast, soviel zur Brotkultur.

Hauptberuflich ist unsere Gastgeberin so eine Art Heilerin. Zumindest würde ich sie so nennen, bei den Geschichten, die wir hörten. Der Arzt in der Stadt schickt seine Patienten zu ihr, wenn er nicht mehr weiter weiß. In vielen Fällen kann sie weiterhelfen. Wir, zum Beispiel, haben an meiner Angst vor Nadeln gearbeitet. Meine negativen Gedanken und Erinnerungen an eine Spritze wurden durch Gute ersetzt. Mein Gehirn wird Nadeln zukünftig als OK betrachten. Ob es wirklich hilft, werde ich wohl erst bei meinem nächsten Arztbesuch rausfinden. Hoffentlich müssen meine Eltern mich nicht wieder abholen, weil der Arzt findet, dass meine Gesichtsfarbe sowie mein Kreislauf nicht fahrtauglich sind.

Beim Besuch des örtlichen Tierheims holten wir wen ganz anderes ab. Ein Kätzchen namens Tuk-Tuk erweitert ab sofort den Kreis der Gastfamilie. Es gibt ein komplettes Tierheim nur für Katzen und derzeit ist Hochsaison für kleine Kittys. Eine Katze kostet hier 245 Dollar, in Heiden kommen die Kätzchen mit meinem Bruder nach Hause, die ihm bei der Arbeit als Schornsteinfeger zugesteckt werden.

Zwischen 20 Kätzchen konnte gewählt werden, am nächsten Tag waren alle vergeben, Hobart | wat-erleben

Zwischen 20 Kätzchen konnte gewählt werden, am nächsten Tag waren alle vergeben, Hobart | wat-erleben

Den vorletzten Tag in Hobart verbrachten wir mit etwas Kultur, Weinkultur um genau zu sein. Kurz hinter Hobart gibt es einen kleinen Weinberg, das Weingut Morrilla, welches direkt neben dem Mona-Museum liegt. Da uns die moderne Kunst, seit unserem Besuch im Moma New York, nicht allzu sehr zusagt, lag der Fokus eher beim Wein. Wir schlossen uns einer Führung an und verköstigten acht verschiedene Spezialitäten. Laura und ich hatten auf dem Heimweg gut einen sitzen, die Busfahrt war umso ernüchternder.

Wir durften den Weinberg trotzdem besichtigen, Moorilla Estate-Hobart | wat-erleben

Wir durften den Weinberg trotzdem besichtigen, Moorilla Estate-Hobart | wat-erleben

Im Weinkeller angekommen und Halbzeit beim Tasting, Moorilla - Hobart | wat-erleben

Im Weinkeller angekommen und Halbzeit beim Tasting, Moorilla – Hobart | wat-erleben

Stylischer kann ein Tisch nicht sein, Moorilla - Hobart | wat-erleben

Stylischer kann ein Tisch nicht sein, Moorilla – Hobart | wat-erleben

Mittlerweile, seit Freitag, sind wir auf Bruny Island. Eine kleine Insel vor Tasmanien, die mit einer 20-minütigen Fährüberfahrt zu erreichen ist. Südlicher geht es nicht mehr, danach kommt nur noch die Antarktis. Ich dachte ja, dass wir in Wetaskiwin, bei unserem Housesit in Kanada, am Arsch der Welt waren, aber diesmal konnten wir das noch toppen. Es gibt eine Hauptstraße auf Bruny Island, die vielleicht drei Abzweigungen hat. Die erste Abbiegung, nach 30 km, führt zu unserem neuen Gastgeber beim helpx. Ein ehemaliger Österreicher, der seine Theater- und Schauspielkarriere vor 30 Jahren an den Nagel hängte und sich hier niederließ. Die Grundstückspreise für eine riesige Fläche Buschland waren damals unverschämt günstig. Für umgerechnet 16.000,- EUR konnte er sich einen Berg kaufen. Zur heutigen Zeit ist dies unvorstellbar, dafür bekommt man in Heiden nicht mal eine Garage. Da es hier soviel Wald gibt, liegt es Nahe, dass die komplette Wohnanlage aus Holz besteht und alles selber angefertigt wird. Ein bisschen fühlen wir uns wie auf der Alm oder bei Meister Eder von Pumuckl. Neben einem kleinen Sägewerk haben wir eine voll funktionsfähige Tischlerwerkstatt, die sogar die umfangreiche Ausstattung von meinem Papa in den Schatten stellt (@Papa: dafür fehlt hier ganz klar ein Weidemann).

Unser Apartment wie auf der Alm, Bruny Island | wat-erleben

Unser Apartment wie auf der Alm, Bruny Island | wat-erleben

Unsere Bucht, die Adventure Bay, Bruny Island | wat-erleben

Unsere Bucht, die Adventure Bay, Bruny Island | wat-erleben

Unsere Tage gehen erstaunlich schnell rum, abgeschnitten von der Außenwelt und ohne Internet. Von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr wird gearbeitet, danach haben wir frei und können die Insel erkunden. Wir versuchen das Grundstück von überwucherndem Farn zu befreien, beackern den großen Garten oder üben uns im Holz spalten.

Das Meer ist in Sichtweite und trotzdem brauchen wir 10 Minuten mit dem Auto bis zum Strand, was aber wohl an der Straße liegt. Ich würde eher von aneinander gereihten Schlaglöchern mit etwas Straße dazwischen sprechen.

An meinem Geburtstag kletterten wir die höchsten Klippen ganz Australiens hoch, direkt vor unserer Haustür gelegen und mit einer grandiosen Aussicht versehen. Alle 10 Minuten kam ein: „Ich glaube wir sind gleich oben, es müsste sofort bergab gehen“. Zwei Stunden später ging es abwärts.

Zur Feier des Tages erstanden wir eine Flasche Sekt. Diese kauft man hier im Bowls Club. Nachdem wir uns offiziell ins Gästebuch eintrugen, durften wir zur Theke laufen und zwischen zwei Flaschen Sekt wählen. Die Auswahl macht es einem ziemlich leicht, geschmeckt hat es umso besser. Noch besser war allerdings meine Geburtstagsüberraschung. Der Sohn unseres Gastgebers fing ein paar Hummer aus dem Meer als Vorspeise. Da der erhoffte Thunfisch nicht angebissen hat, gab es im Anschluss fangfrischen Lachs. Zum Dessert bekam ich einen Geburtstagskuchen samt Ständchen und Kerzen.

Die nächsten Tage können von mir aus genauso weitergehen. Arbeiten, Insel erkunden und Abends gutes Essen, aus dem eigenen Anbau. Unsere Gartenpflanzliste für Zuhause wird immer länger.

Die kleine Franziska, Tochter unserer Gastgeber, hat mitgefeiert, Bruny Island | wat-erleben

Die kleine Franziska, Tochter unserer Gastgeber, hat mitgefeiert, Bruny Island | wat-erleben

Dahinten kommt nur noch die Antarktis, Bruny Island | wat-erleben

Dahinten kommt nur noch die Antarktis, Bruny Island | wat-erleben

Daaaa sind wir hochgewandert, The Neck - Bruny Island | wat-erleben

Daaaa sind wir hochgewandert, The Neck – Bruny Island | wat-erleben

Fast wie in der Karibik, nur 15 Grad weniger, The Neck - Bruny Island | wat-erleben

Fast wie in der Karibik, nur 15 Grad weniger, The Neck – Bruny Island | wat-erleben

Links die tasmanische See, rechts sozusagen das Wattenmeer, Bruny Island | wat-erleben

Links die tasmanische See, rechts sozusagen das Wattenmeer, Bruny Island | wat-erleben

Ein riesiger Strand - menschenleer, Cloudy Bay | wat-erleben

Ein riesiger Strand – menschenleer, Cloudy Bay | wat-erleben

Auf unserer Müssen-wir-noch-sehen-Liste konnten wir einen weiteren Punkt abhaken. Die Zeitung berichtete davon, dass die Algen zurückgekehrt sind, die leuchten, wenn sie in Bewegung kommen. Das gleiche Phänomen wollten wir bereits damals in Mexiko beobachten, hatten aber leider kein Glück. Hier sollte es anders werden. Nachmittags am Strand sahen wir schon einen pinken Schleier auf dem Wasser, ziemlich verdächtig. Davon habe ich mir eine Flasche abgefüllt und mitgenommen. Abends schüttelten wir an der Flasche und tatsächlich, die Flasche leuchtet blau. Eine Stunde später um 23.00 Uhr, so gar nicht unsere Zeit, normalerweise sind wir mit Sonnenuntergang im Bett, sind wir runter zum Strand gefahren. Es war stockfinster, die erste Welle, die wir sahen durchzuckte ein blauer Blitz – unglaublich. Wir plantschten wie die kleinen Kinder durchs Wasser und trampelten auf dem Sand herum. Überall waren diese kleinen blau leuchtenden Punkte – immer noch unglaublich.

Man kann nur erahnen wie cool es war, Bruny Island | wat-erleben

Man kann nur erahnen wie cool es war, Bruny Island | wat-erleben

Auf dem Heimweg befand sich das Glück weiterhin auf unserer Seite, ein weißes Wallaby stand am Straßenrand und schaute in unsere Scheinwerfer. Schnell ein Foto gemacht und nach weiteren schlaglochreichen zwei Kilometern wieder Zuhause angekommen.

Soll angeblich Glück bringen, Bruny Island | wat-erleben

Soll angeblich Glück bringen, Bruny Island | wat-erleben

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