Nachdem wir New York und Toronto bereits in und auswendig kennen, war es Zeit für etwas Neues. Und wie soll man diese Städte bitte noch überbieten können? Genau, mit Little Britain, 1.100 Einwohner, überall verstreut auf dem Land. Unser „Viertel“ umfasst 80 Häuser direkt am Lake Scugog. 80% unserer Nachbarn befinden sich im Ruhestand – was wohl der Grund ist, warum hier jeden Tag irgendwo der Rasen gemäht wird.

Warum ausgerechnet Little Britain, wo der nächste Supermarkt 20 km entfernt liegt? Ganz einfach, hier wohnt Ozzy, ein 65 kg schwerer Alaskan Mamalute, dessen Herrchen in den Urlaub fahren und wir passen in der Zwischenzeit auf ihn auf, da wir Zeit haben. Gefunden haben wir Ozzy über die Website trustedhousesitters. Hier kann man sich auf die verschiedensten Housesits bewerben. Vom Kanarienvogel bis hin zur riesigen Alpaca-Farm ist alles dabei. Für den Anfang wollten wir uns erst einmal an drei Katzen versuchen, die laut Besitzerin nicht viel Aufmerksamkeit benötigen. Nun ist aber noch Ozzy dazwischen gerutscht und somit unser erster Housesit geworden.

Von insgesamt sieben Bewerbungen haben wir drei Zusagen bekommen, gar nicht mal so schlecht (Little Britain, Edmonton und danach Vancouver Island). Der Deal ist auch nicht schlecht: wir passen auf die Haustiere auf und im Gegenzug dürfen wir bei den  „Herrchen“ umsonst wohnen. Die Wohnlage und die Häuser sind in den meisten Fällen nicht zu unterschätzen.

 

Zur Wohnlage in Little Britain: von unserer Terrasse aus können wir den See sehen und leider auch die Mücken. Wer kann schon ahnen, dass Mücken diesen Ort ebenfalls super finden? Wir teilen uns die Terrasse mit „normalen“ Mücken, black flies, horse flies und deer flies – jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Doof, dass wir der Kuchen sind. Abends gemütlich draussen sitzen ist also nicht. Genauso wenig funktioniert gemütliches Wandern. Gestern wollten wir mal raus in die Wildnis von Kanada. Unsere Wanderung durch die Ken Reid Conservation Area teilt sich in zwei Versuche auf. Erster Versuch: 2 km laufen, feststellen, dass Mücken auch tagsüber aktiv sein können und uns ärgern, dass wir keinen Gedanken an Mückenspray verschwendet haben, Wanderung fluchend abbrechen. Zweiter Versuch: ab zum Supermarkt, den übelsten Mückenkiller, den es legal zu kaufen gibt holen, einen Gratis-Burger verputzen, da gerade ein Werbestand auf dem Parkplatz war und zurück in den Wald, den Kampf gegen die Mücken aufnehmen. Was soll ich sagen? Ja, es hilft erstaunlicherweise echt gut. Noch einmal Glück gehabt, die Wanderung war gerettet. Unterwegs haben wir übrigens Bekanntschaft mit der heimischen Tierwelt gemacht. Direkt am Eingang des Parks ein Schild, das uns auf aktive Bären zwischen April und Oktober hinweisen möchte und dann kreuzten auch noch zwei Schlangen  unseren Weg. Eine größere, die hat Laura gesehen, ich nicht, da ich mir die Schuhe zugebunden habe und eine kleinere, die im Gebüsch lag. Das erste Mal so unvorbereitet auf eine Schlange zu treffen verursacht einen gehörigen Adrenalinstoß (auch wenn sie nicht giftig sind). Für den Rest der Wanderung sahen die Baumwurzeln irgendwie alle verdächtig nach Schlange aus.

Ansonsten sind unsere Tage hier eher ruhig. Wie gesagt, 80 % Rentner, die aber durchaus interessiert sind, Leute von außerhalb kennenzulernen. Dies durften wir bereits am ersten Abend erfahren, als die Herrchen von Ozzy uns erklärten wie hier der Hase in der Nachbarschaft läuft. Man nehme seine Flasche Bier oder sein angefangenes Glas Wein und zur Sicherheit noch eine kleine Kühltasche mit weiteren Getränken und dann stellt man sich auf die Straße und lauscht, von wo aus Stimmen wahrzunehmen sind. Diesen Geräuschen folgt man dann und setzt sich zu den Nachbarn in den Garten und quatscht mit ihnen. Laura und ich haben dies bereits einige Male in die Tat umgesetzt. So haben wir auch unsere Nachbarn von schräg gegenüber kennengelernt, die für drei Tage die Woche eine kleine Ein-Frau-Bäckerei betreiben (die Frau backt super leckere Desserts und ihr Mann steht hinter dem Tresen und verkauft). Ich konnte sie sogar vom deutschen Brot überzeugen, welches wir dank Mamas Rezept bestmöglich versucht haben nachzubacken (Zuckerrübensirup war leider nirgendwo erhältlich und alles außer „all purpose“-Mehl auch eher schwierig).

 

Nach einem kleinen Abstecher vorbei an den Niagara Fällen geht es Dienstag mit dem Flieger von Toronto nach Edmonton für 2 1/2 Wochen. Unser zweiter Housesit ist an der Reihe, der mit den drei Katzen 😉

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