Unsere erste Erfahrung mit der Platform HelpX haben wir recht gut gemeistert. Die Zeit verging wie im Flug, was auch zu einem großen Teil unserer Gastgeberin geschuldet war, da sie uns immer auf Trab gehalten hat. Im positiven Sinne. So kam es auch mal, dass ich mich morgens im Park wieder gefunden habe, um mit meinen Händen große Energiebälle zu formen und diese durch die Luft zu bewegen. Gleichzeitig haben meine Füße Wurzeln bis zum Erdkern geschlagen, damit ich mir die Energie der Erde zu Nutzen machen kann. Die Geschwindigkeit mit der die meisten Bewegungen beim Tai-Chi ablaufen, gleichen der meines normalen Ganges. Ich bin also ein praktizierender Tai-Chi-Großmeister im Alltag. Voller Energie konnten wir in den Tag starten und unsere anstehende Hausarbeit, Gartenarbeit und Büroarbeit erledigen.

Das Meer bei Campbell River | wat-erleben

Das Meer bei Campbell River | wat-erleben

In unserer freien Zeit haben wir uns den Fluss runter treiben lassen oder haben die Strände und Nationalparks in der Nachbarschaft erkundet. Bei einem Ausflug durften wir auch Bekanntschaft mit der örtlichen Polizei machen. Da wir uns dank Google Maps verfahren hatten, sind wir an einer Brücke ausgekommen, wo Bauarbeiten ausgeführt wurden. Die Brücke kam mir komisch vor, da sie auf unserer normalen Route nicht geplant war. Ich habe mich daher dazu entschlossen, vor der Brücke zu wenden und den Weg zurück zu fahren. Vor der Brücke waren zwei Streifenwagen positioniert, die Polizisten winkten uns zu, ich winkte zurück und habe den Wagen umgedreht. Die Kanadier sind ja bekannt für ihre Freundlichkeit. Laura meinte noch, dass ich doch besser angehalten hätte, vielleicht wollte die Polizei ja was von uns. Ratet mal, so war es auch, keine 500 Meter später habe ich im Rückspiegel ein Lichtermeer von blau und rot gesehen, begleitet von einer lauten Sirene. Mit ordentlich Herzklopfen bin ich rechts ran gefahren. In Gedanken habe ich mich schon im Knast gesehen. Zu unserem Glück war der Officer, nach einer anfangs sehr ernsten Miene, gut gelaunt und hat uns noch einen Witz erzählt, warum ich immer auf meine Freundin hören sollte, auch wenn es manchmal keinen Sinn ergeben würde. Die Wasserfälle, die wir danach besucht haben, gerieten irgendwie in den Hintergrund, zu aufregend war der Zwischenfall mit der Polizei. So aufregend, dass wir das Hinweisschild übersehen haben, auf dem steht, dass der Parkplatz um 21 Uhr schließt. Wir haben uns auf dem Rückweg deshalb vor einer verschlossenen Schranke wiedergefunden. Leider haben wir auch keinen Geländewagen, mit dem wir außen rum hätten fahren können. Wir wurden also von unserer Gastgeberin abgeholt und das Auto hat ganz alleine auf dem Parkplatz übernachtet. Ja, ja, wat erleben.

Elk Falls | wat-erleben

Elk Falls | wat-erleben

Elk Falls Suspension Bridge | wat-erleben

Elk Falls Suspension Bridge | wat-erleben

 

Fast genauso aufregend war auch unser Vorhaben, die 150 km zurück zum Housesit nach Nanaimo per Anhalter zu fahren. Getrieben von 80$, die wir für ein Busticket sparen und der guten Erfahrung unserer Gastgeberin, haben wir es einfach mal versucht. Wir wurden von ihr an einer vielbefahrenen Straße ausgesetzt und siehe da, keine 20 Minuten später hat ein älterer Herr angehalten und uns mitgenommen. Auch hier verging die Zeit wie im Flug, mit vielen Tipps zu Kanada, Vancouver Island und anderen Reisezielen wurden wir direkt vor unserer Haustür rausgelassen. Besser hätte ein erster Versuch nicht aussehen können. Wir sind zurück bei Bentley, dem Labrador, den wir aufpassen und der jetzt gerade meine Füße unter dem Tisch wärmt. Eine der Katzen, Bagheera, die wir mit aufpassen, haben wir immer noch nicht gesehen. Gut, dass uns auch die berüchtigte Katze der Insel nicht über den Weg gelaufen ist – der Cougar, auf Deutsch Puma. Gestern waren wir auf Newcastle Island, einer kleinen Insel, 5 Minuten mit der Fähre entfernt. Unser Ziel war die Umrundung der Insel. Blöd, dass wir vom Weg abgekommen sind und uns direkt am Wasser wiedergefunden haben. Laura schimpft immer noch über meinen Orientierungssinn, denn auf meinem Handy hätte ich schwören können, dass da ein Weg war. Das alleine wäre ja nicht weiter tragisch. Als wir aber die Überreste eines Reh-Skelettes auf den Felsen entdeckt haben, wurde es uns doch mulmig zumute. Die Szene erinnert mich an den König der Löwen, wo Simba den Elefantenfriedhof entdeckt. Wir haben uns sofort umgedreht und sind zurück gelaufen. Irgendetwas hätte mir auch auffallen müssen, als der Wanderweg zu einem Pfad, dann zu einem Trampelfad und schließlich zu einem Nichts wurde. Da hilft es auch nicht zu wissen, dass ein Puma (normalerweise) kein Interesse an Menschen hat.

Newcastle Island | wat-erleben

Blick von Newcastle Island | wat-erleben

1 Antwort

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.