Freitag verließen wir das eher fragwürdige „Partyhostel“ in San Pedro am Lago Atitlan und machten uns mit einem Shuttle auf nach Antigua. Die Kleinstadt mit ca. 35.000 Einwohnern liegt im Hochland Guatemalas (auf ca. 1500 Meter) und war früher für einige Zeit die Hauptstadt spanischer Kolonien. Außerdem liegen einige Vulkane in Sichtweite. Insgesamt hat Guatemala laut meiner Spanischlehrerin 37 Vulkane. Das mussten wir an unseren letzten Tagen in Guatemala ausnutzen. Für Samstag bis Sonntag buchten wir eine Tour über das Tropicana Hostel auf den Acatenango-Vulkan, welches uns einen Guide, Verpflegung und bereits aufgebaute Zelte am Basecamp versprach.

Daher ging es für uns am Samstag Morgen zum Hostel, wo wir uns Handschuhe, Mütze und eine warme Jacke ausliehen und schließlich erfuhren, dass zwei andere Personen, die die Tour ebenfalls gebucht hatten, nicht mitkommen würden. Somit saßen wir alleine im Minivan, der uns zu einem ca. eine Stunde entfernten Ausgangspunkt der Wanderung fuhr. Dort angekommen lernten wir Oswaldo, unseren Guide, kennen, der aus dem Nachbarort kam und so gut wie kein Englisch sprach. Super also, um Spanisch zu üben, der Rest wurde in Zeichensprache gelöst. Während der Wanderung erfuhren wir u.a. dass er 32 Jahre alt ist, eine Frau und zwei Kinder hat und sie unterstützt, in dem er bereits seit drei Jahren stolze vier Mal die Woche den Berg hoch und runter läuft, um uns Touristen glücklich zu machen. Dazu muss man sagen, dass wir auch wirklich viel Zeit zum Reden hatten. Es kostete uns 4 1/2 Stunden, um 1.500 Höhenmeter zu überwältigen und im Basecamp, welches auf 3.750 Meter liegt, anzukommen. Unser Guide war kaum verschwitzt, was wohl nicht an seiner Wanderausrüstung lag. Lediglich mit Minirucksack, Jeans, Slippern und Müllbeutel als Regenschutz ausgestattet, sahen wir dagegen mit regensicherer Jacke und Wanderschuhen professionell aus, ohne es zu sein.

Der Ausblick zu Beginn unserer Wanderung, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Der Ausblick zu Beginn unserer Wanderung, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Auf der Wanderung gab es je nach Höhe unterschiedliche Vegetationen, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Auf der Wanderung gab es je nach Höhe unterschiedliche Vegetationen, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Schwarze Asche und ein bisschen Regen, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Schwarze Asche und ein bisschen Regen, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Das Gefühl, oben anzukommen, war unbeschreiblich. Anfangs noch mit vielen Wolken bedeckt, klarte es plötzlich auf und wir hatten den direkten Blick auf den noch aktiven Vulkan Fuego. Der letzte schwere Ausbruch war am 03. Juni 2018, bei dem über 100 Personen starben, viele Gebäude zerstört und Menschen evakuiert werden mussten, da die Lava in die Dörfer floss. Eine traurige Geschichte, zugleich fasziniert der Vulkan. Erst hörten wir nur Zischen und Knallen und sahen Rauchwolken. Als es dunkel wurde und die Wolken es immer noch gut mit uns meinten, saßen wir nicht nur das erste Mal auf einem Vulkan, sondern hatten auch eine direkte Aussicht auf den ausbrechenden Fuego mit Lava und allem drum und dran. Wenn der Vulkan ausbricht, hört man erst ein Fauchen, was sich ein bisschen nach kämpfenden Katzen anhört und dann kommt ein Geräusch, was nach einem Flugzeug klingt, welches direkt über einen herfliegt. Mal blubbert es da oben nur, mal läuft die Lava den Vulkan herunter. Leider wurde die Stimmung etwas getrübt, da Bernd wieder mal Magenprobleme hatte und mir ging es auch nicht super gut. Ob es am Essen, an der Höhe oder der Anstrengung lag, wissen wir nicht. Die Nacht über konnten wir nur wenig Schlaf im Zelt finden, Bernd musste schließlich noch die Plastiktüte seiner Schuhe zweckentfremden und dann war es vorbei mit der Nacht. Eigentlich war um 4 Uhr morgens geplant, mit unserem Guide Oswaldo noch einmal 200 Meter höher zu laufen, um einen Sonnenaufgang von der Spitze des Acatenangos beobachten zu können. Die Hälfte des Weges schafften wir, dann gaben wir auf. Mit Schweißausbrüchen und Atemproblemen ging nichts mehr, es ging zurück zum Basecamp. Dort fühlten wir uns schlagartig besser. Es sollte wohl einfach nicht sein und wir hatten schon Glück genug mit unserer Aussicht. Denn Oswaldo erzählte uns, dass die vorherigen Gruppen die gesamte letzte Woche nichts außer Wolken sahen.

Glücklich am Basecamp angekommen, zusammen mit unserem Guide Oswaldo, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Glücklich am Basecamp angekommen, zusammen mit unserem Guide Oswaldo, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Unser Basecamp, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Unser Basecamp, Vulkan Acatenango | wat-erleben

Anfangs war die Sicht auf den Vulkan Fuego noch schlecht, aber immerhin schon sichtbar | wat-erleben

Anfangs war die Sicht auf den Vulkan Fuego noch schlecht, aber immerhin schon sichtbar | wat-erleben

Tagsüber konnten wir die Eruption nur hören und anhand des Rauchs erkennen | wat-erleben

Tagsüber konnten wir die Eruption nur hören und anhand des Rauchs erkennen | wat-erleben

Blick vom Vulkan Acatenango auf den Fuego, unsere Anziehsachen stanken nach dem Lagerfeuer erbärmlich :O | wat-erleben

Blick vom Vulkan Acatenango auf den Fuego, unsere Anziehsachen stanken nach dem Lagerfeuer erbärmlich :O | wat-erleben

Der Vulkan Fuego nach Sonnenuntergang | wat-erleben

Der Vulkan Fuego nach Sonnenuntergang | wat-erleben

Wir saßen die restliche Nacht vor dem Lagerfeuer und beobachteten den Himmel dabei, langsam hell zu werden. Schließlich hatten wir eine Wahnsinnsaussicht auf alle umliegenden Dörfer und konnten nicht nur den knapp 45 km entfernten Lago Atitlan sehen, sondern auch die Küstenlinie, die rund 62 km entfernt liegt. Nach einem magenschonenenden Kamillentee traten wir zu dritt den Rückweg an, den wir knapp zwei Stunden schneller bewältigten, als den Hinweg. Allerdings war er sehr sehr steil und da wurde uns noch einmal bewusst, dass wir wirklich stolz auf uns sein können. Einen Tag vorher waren wir schließlich den gleichen Weg hochgestiegen. Unten angekommen zauberten eine große Verabschiedungs-Umarmung und Trinkgeld ein Riesen-Lachen auf Oswaldos Gesicht und wir machten uns mit unserem Fahrer auf den Rückweg.

Der Vulkan Fuego am frühen Morgen2 | wat-erleben

Der Vulkan Fuego am frühen Morgen1 | wat-erleben

Der Vulkan Fuego am frühen Morgen3 | wat-erleben

Der Vulkan Fuego am frühen Morgen2 | wat-erleben

Natürlich durfte auch Minka bei der Wanderung des Acatenangos nicht fehlen | wat-erleben

Natürlich durfte auch die hässliche Katze Minka bei der Wanderung des Acatenangos nicht fehlen | wat-erleben

Die Panoramasicht am frühen Morgen vom Vulkan Acatenango | wat-erleben

Die Panoramasicht am frühen Morgen vom Vulkan Acatenango | wat-erleben

Frühstücken bei Sonnenaufgang auf dem Acatenango | wat-erleben

Frühstücken bei Sonnenaufgang auf dem Acatenango | wat-erleben

Völlig fertig, aber glücklich beim Zieleinlauf | wat-erleben

Völlig fertig, aber glücklich beim Zieleinlauf | wat-erleben

Abends gingen wir früh ins Bett, denn Montag gab es wieder einen straffen Zeitplan. Erst besuchten wir die Kaffeefarm Finca Filadelfia, die seit 140 Jahren privat betrieben wird und eine sehr große Fläche ihr Eigen nennt. Wie nach knapp drei Jahren aus einer kleinen Kaffeebohne ein Strauch wird, der die roten „Kaffeebeeren“ trägt, die dann per Hand gepflückt werden, ist faszinierend. Anschließend kommen Maschinen zum Einsatz, die die Bohne aus der Beere quetschen, wässern und nach einem längeren Trocknungsprozess schließlich rösten. In dem Gebäude roch es natürlich am Besten. Nach einem schnellen Schluck Espresso, von dem mir noch einige Stunden später die Hand zitterte, ging es schnell weiter zu einer Tankstelle im Nachbardorf. Dies war der Treffpunkt für unser ResiRest-Essen bei einer guatemaltekischen Familie.

Die Kaffeefarm Finca Filadelfia in Antigua, so sieht die Kaffeepflanze zu Anfang aus | wat-erleben

Die Kaffeefarm Finca Filadelfia in Antigua, so sieht die Kaffeepflanze zu Anfang aus | wat-erleben

Die Kaffeefarm Finca Filadelfia in Antigua, so sieht die Kaffeepflanze nach drei Jahren aus, Erntezeit fängt im November an | wat-erleben

Die Kaffeefarm Finca Filadelfia in Antigua, so sieht die Kaffeepflanze nach drei Jahren aus, Erntezeit fängt im November an | wat-erleben

Von der Plattform ResiRest, die aus den Niederlanden stammt, erfuhren wir nur durch Zufall, denn über Google landeten wir, auf der Suche nach lokalem Essen, auf der Website. Dabei sollen Locals und Touristen über das Essen miteinander verbunden werden, dafür zahlt man einen Betrag per Kreditkarte an die Plattform (in unserem Fall 6,50€ pro Person), der der Familie zu Gute kommen soll. Wie viel die Familien von der bezahlten Summe genau erhalten, wissen wir jedoch nicht. So funktioniert das Ganze: Ihr downloaded die App und könnt dort das Land (zurzeit 27), den Ort, das Datum (Mittags oder Abends) und die Anzahl der Gäste angeben. Danach wählt ihr die Familie aus (ihr erfahrt auch einige Infos zur Familie), wir waren bei Carolina in Antigua und zum Abschluss habt ihr noch die Qual der Wahl, aus verschiedenen Gerichten eins auszuwählen. Praktisch ist, dass die Inhaltsstoffe immer mit aufgelistet sind, Bernd verträgt ja keine Chilischoten.

Wir wurden also am Treffpunkt von Iris und ihrem Bruder, den Kindern von Carolina, abgeholt und zu ihrem Haus gebracht. Die Familie lebt für unsere Verhältnisse eher einfach, jedoch glücklich und mit einem Garten, der die komplette Familie sowohl mit Gemüse und Obst als auch mit Fleisch versorgt. Als Gericht suchten wir uns im Vorhinein Pacaya Envueltas en Huevo aus (Papaya Palme in einem frititerten Teigmantel mit Tomatensauce), so dass wir direkt in der Küche Platz nehmen durften und uns das Essen serviert wurde. Wir konnten so leider nicht sehen wie das Essen zubereitet wurde, dafür sprachen wir über die Zubereitung und aßen mit der ganzen Familie zusammen. Es war ein super Erlebnis und natürlich ein super leckeres. Das, was ResiRest verspricht, wurde bestätigt. Wir bekamen nicht nur ein lokales Essen vorgesetzt, sondern sprachen mit der Familie über Kultur, Essen und spielten sogar noch ein paar Spiele zusammen. Im Anschluss zeigten uns Carolina und Iris noch den Stolz der Familie, den Garten. Von Avocado-Bäumen, über Kräuter bis hin zu exotischen Früchten war alles dabei. Schließlich verabschiedeten wir uns nach guten zwei Stunden von der Familie und machten uns zu Fuß auf den Rückweg zum Hostel, wo wir uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten von Antigua anschauten. Wir werden die Plattform definitiv wieder ausprobieren. Leider gibt es bei unserem nächsten Stopp Argentinien noch keine Familien, aber wir besuchen ja noch weitere Länder ;).

Essen bei der Familie von Carolina in Antigua mit ResiRest | wat-erleben

Essen bei der Familie von Carolina in Antigua mit ResiRest | wat-erleben

Die Familie von Carolina in Antigua mit ResiRest | wat-erleben

Die Familie von Carolina in Antigua mit ResiRest | wat-erleben

Die Innenstadt von Antigua,Arco de Santa Catalina | wat-erleben

Die Innenstadt von Antigua,Arco de Santa Catalina | wat-erleben

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir im Hostel, denn Abends um 19 Uhr sollte uns unser Shuttle nach Guatemala Stadt zum Flughafen abholen. Dank unserer Dorm-Mitbewohnerin, die uns  kurz vor Abfahrt des Shuttles fragte, ob der Flughafen denn auch 24 Stunden auf sei, mussten wir nicht draußen schlafen. Eigentlich war geplant, dass wir die Nacht im Flughafen schlafen, um uns ein Hotelzimmer zu sparen. Die Cafes im Flughafen sind zwar durchgehend geöffnet, allerdings verlassen die Angestellten das Gebäude, die Security ebenfalls. Das war uns dann doch etwas zu heikel, so dass wir Last-Minute ein Hotelzimmer in Flughafennähe buchten. Nach einer kurzen Nacht mussten wir dann um 3 Uhr morgens per SMS erfahren, dass unser Flug sich lediglich sieben Stunden verspäten wird, da das Flugzeug gewartet wird. Zum Flughafen mussten wir trotzdem, denn wir buchten einen Flug mit Zwischenstopp in Houston, Texas. Da der Anschlussflug nach New York zwei Stunden später angesetzt war, konnten wir das aufgrund der Verspätung auf keinen Fall schaffen. Nach guten 1 1/2 Stunden Wartezeit am Flughafen wurde unser Anschlussflug auf 18 Uhr verschoben und wir versuchten den Tag am Flughafen umzubekommen. Insgesamt waren es schließlich acht Stunden, als wir endlich von Guatemala aus abhoben und nach Houston flogen. Dort angekommen, ließen wir uns extra etwas Zeit, da uns klar war, den Flug nicht mehr zu schaffen und wir auch keine Lust hatten, mitten in der Nacht in NYC anzukommen. Denn wir wollten eigentlich direkt zu meinen Gasteltern, aber um diese Uhrzeit fährt kein Bus mehr. Nachdem wir unser Gepäck abholten und die Immigration keine Probleme machte, liefen wir schließlich zum Schalter der United Airlines. Dort teilte uns die freundliche Frau zuerst mit, dass es auch noch einen Flug um 19 Uhr gäbe, was bedeutet hätte, das wir noch später Nachts in NYC angekommen wären. Ich schlug als Alternative den ersten Flug morgens vor. Das wäre kein Problem, meinte die Dame hinter dem Schalter. Als ich dann jedoch nach einer kostenlosen Übernachtung in Houston fragte, musste sie erst einmal ihre Kollegin fragen. Von der kam direkt die Antwort: „They are still smiling, give them whatever they want“. Somit bekamen wir auch fast alles, was möglich war: Vouchers in Höhe von 60 USD, mit dem wir einen Riesen Ribeye-Steak im hoteleigenen Restaurant aßen und ein Hotelzimmer mit einem gemütlichen Bett, einer richtigen Bettdecke und einer Dusche, die sogar trotz Warmwasser noch genügend Druck erzeugt.

Nach acht Stunden Verspätung gab es im Hotel in Houston, Texas erst einmal ein Rib Eye Steak | wat-erleben

Nach acht Stunden Verspätung gab es im Hotel in Houston, Texas erst einmal ein Rib Eye Steak | wat-erleben

Halbwegs ausgeschlafen ging es dann am nächsten Morgen um 5 Uhr mit dem Shuttle zum Flughafen. Dieses Mal war unser Flug pünktlich und so waren wir gegen Mittag in NYC und am Nachmittag bei meiner Gastfamilie angekommen.

Willkommen in New York, we are back | wat-erleben| wat-erleben

Willkommen in New York, we are back | wat-erleben| wat-erleben

Wir bekamen gar nicht mit, dass es plötzlich Herbst geworden ist. Die Bäume haben wunderschöne Farben, die Luft ist zwar kalt, aber fühlt sich endlich wieder sauber an und das Wetter begrüßt uns mit blauem Himmel und Sonnenschein. Ich fühle mich, als ob ich nach über 4 1/2 Monaten Reise wieder Zuhause bin. Jetzt entspannen wir erst mal in frisch gewaschenen Sachen (der Geruch ist der Hammer!), genießen die warme Dusche, den Luxus, alles zu verstehen und Essen, an das unser Magen gewöhnt ist. Außerdem werden wir die nächsten Tage unseren Argentinientrip planen. Am Sonntag Abend geht es nämlich von NYC nach Buenos Aires.

Wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen, Indian Summer in New City, NY : wat-erleben

Wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen, Indian Summer in New City, NY : wat-erleben

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