Wir haben vor einer Woche das Flachland gegen die Berge getauscht. Ich finde, dies ist ein durchaus guter Tausch gewesen. Neben unzähligen Seen und Wasserfällen, haben wir uns die Top-Highlights der drei Nationalparks Jasper, Banff und Yoho angeschaut. Unsere Route führte uns immer entlang des Icefields Parkway, der einzigen Straße durch die […]

Donnerstag, 6 Uhr morgens: Wir verabschieden uns von Debbie, der Gastgeberin unseres Housesits, die am Abend zuvor aus dem Urlaub zurück gekommen war. Die 2 1/2 Wochen vergingen trotz ziemlich ländlicher Atmosphäre schnell. Es ist ein komisches Gefühl sich zu verabschieden. Wir haben uns, ohne es wirklich zu merken, sehr an den Housesit und den Tagesablauf gewöhnt. Es war für die Zeit „unser Zuhause“ und als wir dann am Vortag den Hausputz erledigt hatten und all unsere persönlichen Sachen wieder in die Taschen packten, kam wie schon beim letzten Housesit bei mir ein wehmütiges Gefühl auf. Der Kopf denkt: „Boah, gerade habe ich mich eingelebt und schon wieder geht es weiter“. Sobald wir im Auto sitzen und zum Flughafen Edmonton fahren, um unseren Mietwagen gegen einen anderen Mietwagen auszutauschen, sind Aufregung und Vorfreude auf etwas Neues aber ganz schnell wieder da. Am Flughafen angekommen, dürfen wir dann unsere Rucksäcke und einen riesigen Karton, prall gefühlt mit diversen Chinafertigzeug-Leckereien, (die nächsten 6 Nächte gibt es keine Küche in unseren Unterkünften) von einem mickrigen Hyundai in einen Ford SUV transportieren (kostenloses Upgrade weil der Avis-Mitarbeiter einen guten Tag hat und unsere Wagenklasse nicht verfügbar ist).

Vom Flughafen aus geht es dann innerhalb von 4 Stunden bis in den Jasper Nationalpark und das bei einem Verkehrsaufkommen, bei dem es im Gegensatz zur A3 richtig Spaß macht, Auto zu fahren. Direkt am ersten Tag suchen wir uns eine mit „Advanced“ gekennzeichnete Wanderstrecke aus, die an den Miette Hot Springs beginnt und endet. Anfangs noch extrem motiviert, dass wir schon die Hälfte der Strecke in passabler Zeit gemeistert hatten, müssen wir jedoch kurz danach feststellen, dass das Schlimmste noch vor uns liegt. Insgesamt 700 Höhenmeter bis zum Ziel (welches auf 2200 Meter liegt), wo wir dann von Bergziegen und mit einer großartigen Aussicht begrüßt werden. Nachdem wir wieder am Parkplatz angekommen sind und noch für einen kurzen Abstecher in den Hot Springs baden, geht es dann zur Unterkunft nach Jasper.

Sulphur Skyline Trail | wat-erleben

Sulphur Skyline Trail | wat-erleben

 

Gestern, noch völlig fertig vom Vortag und mit zu wenig Schlaf geht der Roadtrip zuerst zum Maligne Canyon. Um 7 Uhr morgens ist dort noch kein Tourist zu sehen und so haben wir die spektakuläre Schlucht ganz für uns alleine.

Maligne Canyon | wat-erleben

Maligne Canyon | wat-erleben

 

Im Anschluss weiter zum Medicine Lake und zum Maligne Lake und danach noch die Athabasca- und Sunwapta- Fälle.

Maligne Lake | wat-erleben

Maligne Lake | wat-erleben

 

Athabasca Falls | wat.erleben

Athabasca Falls | wat.erleben

Athabasca River |wat-erleben

Athabasca River |wat-erleben

Nachmittags fallen wir dann erstmal für einen etwas zu langen Powernap ins Bett bis es Abends wieder los geht. Pyramid Lake und Patricia Lake stehen auf dem Programm. Überwältigt sind wir besonders vom Patricia Lake. Nicht nur, dass die Aussicht super schön ist, aber dann tauchen auch noch Wapitis auf. Ein kleiner Fluch, dass ich kein super Teleobjektiv habe, wird ziemlich schnell zunichte gemacht, da ein Wapiti plötzlich fast direkt neben uns her läuft und seine Herde ruft, die er wohl verloren hatte. Getoppt wird das ganze wenig später noch von einem Bären, den wir von der Straße aus in weiter Ferne beobachten. Hier im Park läuft das folgendermaßen ab: halten plötzlich ganz viele Autos an der Seite, meist mit Warnblinkanlage, bedeutet das, dass irgend ein Tier in der Nähe ist. In diesem Fall ein Schwarzbär, schon das zweite Mal, dass wir so ein Glück haben. Am ersten Tag haben wir auch schon einen gesehen. Da verfallen wir jedoch so in Schockstarre, dass wir an den parkenden Autos vorbei fahren und den Bären nur im Vorbeigehen sehen.

Pyramid Lake | wat-erleben

Pyramid Lake | wat-erleben

Heute hatten wir eigentlich aufgrund einiger Erfahrungsberichte von Reiseblogs den Plan, den Whistlers Summit Trail zu wandern. Wir haben uns dann spontan dagegen und für einen Tipp entschieden, den uns unsere Gastgeberin hier in Jasper gab. Also machen wir uns pünktlich zum Sonnenaufgang mit dem Auto auf den Weg zum Kinney Lake Trail – 15 km mit gemütlichen 175 Höhenmetern. Das frühe Aufstehen wird tatsächlich belohnt. Anfangs noch mit Nebel überzogen liegen der Kinney Lake und Mount Robson wenig später mit Bilderbuch-Spiegelung vor uns – völlige Fassungslosigkeit! Die türkisfarbene Farbe des Sees ist einfach der Knaller und lässt sich leider überhaupt nicht richtig auf einem Foto festhalten. Die Wanderung hat sich definitiv gelohnt.

Robson River | wat-erleben

Robson River | wat-erleben

Mount Robson | wat-erleben

Mount Robson | wat-erleben

Brücke zum Kinney Lake | wat-erleben

Brücke zum Kinney Lake | wat-erleben

Kinney Lake I | wat-erleben

Kinney Lake I | wat-erleben

Kinney Lake II| wat-erleben

Kinney Lake II| wat-erleben

Kinney Lake III | wat-erleben

Kinney Lake III | wat-erleben

Seit einer Woche befinden wir uns mitten im Herzen von Alberta. Allein dieser Bundesstaat ist doppelt so groß wie Deutschland. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir sehr ländlich leben. Ich dachte ja schon, dass ich in Heiden-Leblich sehr ländlich leben würde und dass der Weg über die Brücke ins Dorf schon weit wäre. Wenn ein Kanadier dir aber sagt, dass irgendetwas „just-around-the-corner“ ist, dann scheinen die Ecken hier wohl etwas größer zu sein, so 4 bis 5 Stunden groß. Wenn ich jemanden frage, wo er herkommt und ich als Antwort erhalte: „Nicht weit von hier“ – und sich dann herausstellt, dass er 6 Stunden weiter Richtung Norden wohnt, dann ist das schon ein anderer Maßstab. Hier kann es also schnell passieren, dass der einzige soziale Kontakt zur Außenwelt die Kassiererin im Supermarkt ist. In unserem Fall die Heike, vor 9 Jahren von Deutschland ausgewandert und vermutlich auch der Grund für den Grafschafter Goldsaft-Zuckerrübensirup im Sortiment.

Unser zweiter Housesitt | wat-erleben

Unser zweiter Housesitt | wat-erleben

So schlimm wie es sich anhört, ist es dann aber doch nicht. Wir haben genügend Zeit, um uns über die bevorstehende Reise durch die Rocky Mountains und über Vancouver Island zu informieren. Laura entdeckt alle paar Minuten eine neue Funktion an unserer Kamera, bringt unseren Blog auf Vordermann oder mäht den Rasen. Rasen mähen war übrigens mein Highlight heute, neben den Spareribs, die sind mir auch ganz gut gelungen. Die Kanadier können einfach gutes Fleisch produzieren.

Wie kriege ich jetzt den Übergang vom köstlichen Fleisch zur Pferderennbahn hin ohne das Wort Frikandel zu benutzen? Auf jeden Fall waren wir am Sonntag beim Ponoka Stampede zum Rodeo und Chuckwagon-Rennen. Auf die Idee hat uns unsere Gastgeberin gebracht, dessen zwei Cousins als Chuckwagon-Fahrer teilnehmen. Der Kontakt war schnell hergestellt und wir hatten die einmalige Gelegenheit hinter die Kulissen zu schauen. Die Familie bzw. das Team, welches wir kennen gelernt haben, besteht aus acht Leuten, die mit 18 Pferden für drei Monate von Rennen zu Rennen fahren. Neben dem Chuckwagon-Rennen am Abend waren am Nachmittag die Cowboys dran. Bullenreiten, „Stier-Wrestling“, Kälber mit dem Lasso jagen oder wilde Pferde einfangen standen auf dem Programm. Beim Zuschauen kommt uns öfters der Gedanke, dass die Teilnehmer alle etwas verrückt sein müssen, aber hier scheint es normal zu sein, sich im vollen Galopp auf einen Stier zu schmeißen, um ihn zu Boden zu werfen…

Tie Down Roping beim Ponoka Stampede | wat-erleben

Tie Down Roping beim Ponoka Stampede | wat-erleben

Bareback Riding beim Ponoka Stampede | wat-erleben

Bareback Riding beim Ponoka Stampede | wat-erleben

Team 23 beim Ponoka Stampede | wat-erleben

Team 23 beim Ponoka Stampede | wat-erleben

Der Rennwagen beim Panoka Stampede | wat-erleben

Der Rennwagen beim Panoka Stampede | wat-erleben

Hinter den Kulissen Ponoka Stampede | wat-erleben

Hinter den Kulissen Ponoka Stampede | wat-erleben

PS: Für alle, die nicht bei Instagram registriert sind -> Auf unserem Blog gibt es nun oben im Menü eine Bildergalerie, die euch alle Fotos unseres Kontos zeigt.

Abseits unserer Instagram-Beiträge gibt es für diese Woche nicht so viel zu erzählen. Montagmorgen mussten wir uns von Ozzy und den Besitzern verabschieden. Irgendwie schon verrückt wie schnell wir uns an den Housesit gewöhnt hatten und dann wurde ich zum Abschied doch ein wenig traurig.

Ozzy in seiner Wohlfühl-Position

Samstag Abend waren wir noch auf einer kleinen Nachbarschaftsfeier. Das ist hier so üblich, die nächste Bar ist 25 Minuten mit dem Auto entfernt und das Taxi ist zu teuer. Mit Schlappen und Getränk in der Hand ging es zur „Angry Duck“. Das ist der Name der selbstgebauten Bar der Nachbarn, die sich direkt in deren Wohnzimmer befindet. Nach einigen Shots (der Gastgeber war für einige Jahre Barkeeper in Portugal und England) und Kaltgetränken wurden die Stühle zur Seite geschoben und zu Hits der 70-90er gemischt mit ein paar Oldies das Tanzbein geschwungen. Es war ein richtig lustiger Abend und zum Schluss gab es sogar noch ein Gruppenfoto als Andenken. Vielen Dank noch einmal, dass wir so herzlich in die Nachbarschaft aufgenommen wurden 🙂

Selbstgemachte Shots auf der Nachbarschaftsparty

Zurück aber zum Montagmorgen: Mit dem Mietwagen sind wir von Little Britain zu den Niagara Fällen (kanadische Seite) gefahren. Ein Highlight unseres Tages war der Niagara Glen Nature Park. Endlich konnten wir unsere Wanderschuhe auspacken! Anschließend noch ein kurzer Abstecher zum kleinen Örtchen Niagara on the Lake und dann mit dem Auto zurück nach Toronto.

Horseshoe Falls

 

Niagara Fälle

 

Der Whirlpool-Trail im Niagara Glen Nature Park

Am nächsten Morgen ging es sehr früh zum Flughafen (zum Glück lag unser Airbnb nicht weit entfernt) und pünktlich um 9 Uhr hoben wir ab, Richtung Edmonton zu unserem zweiten Housesit. Bevor es jedoch dort hin gehen sollte, machten wir noch einen kurzen Abstecher ins größte Einkaufszentrum Nordamerikas, der West Edmonton Mall. Dort ist es einfach verrückt und wir trauten unseren Augen kaum. Auf nur 2 Stockwerken hatte man über 800 Geschäfte platziert, inklusive einem riesig angelegtem Teich mit Jack Sparrow ähnlichem Piratenschiff und Seelöwen-Veranstaltungen, einer Eisbahn mitten auf dem zweiten Stockwerk und einem Indoor-Wasserpark, in dem man von außen reinschauen konnte. Irgendwann reichte es uns dann aber und da Shoppen mit einem Reiserucksack eh keinen Spaß macht, fuhren wir nach Wetaskiwin (ca. 90 Minuten von Edmonton entfernt). Vorbei an zahllosen Feldern und vereinzelten Häusern bogen wir irgendwann in Straßen ab, ohne Asphaltierung und mit SUV-freundlichen-Schlaglöchern. Dann waren wir mitten im Wald angekommen. Da dort nur ein Haus stand, mussten wir also richtig sein. Als wir auf die Einfahrt bogen, begrüßte uns auch schon Debbie, unsere Gastgeberin und eine der Katzen, Mop (die andere Katze, Mr. Cocky, muss sich wohl, wie der Name schon vermuten lässt, noch an uns gewöhnen und geht uns gerade noch aus dem Weg ;)). Abends gab es Würstchen mit Kartoffelsalat und wir fielen todmüde ins Bett.

Seit gestern Morgen sind wir auf uns alleine gestellt: Ein riesiger Garten und wunderschöne Blumen, die wir auf keinen Fall umbringen wollen, dürfen jetzt 2,5 Wochen von uns gepflegt werden.

Bernd testet schon mal das Quad

Ein Kolibri direkt vor unserem Fenster

Nachdem wir New York und Toronto bereits in und auswendig kennen, war es Zeit für etwas Neues. Und wie soll man diese Städte bitte noch überbieten können? Genau, mit Little Britain, 1.100 Einwohner, überall verstreut auf dem Land. Unser „Viertel“ umfasst 80 Häuser direkt am Lake Scugog. 80% unserer Nachbarn befinden sich im Ruhestand – was wohl der Grund ist, warum hier jeden Tag irgendwo der Rasen gemäht wird.

Warum ausgerechnet Little Britain, wo der nächste Supermarkt 20 km entfernt liegt? Ganz einfach, hier wohnt Ozzy, ein 65 kg schwerer Alaskan Mamalute, dessen Herrchen in den Urlaub fahren und wir passen in der Zwischenzeit auf ihn auf, da wir Zeit haben. Gefunden haben wir Ozzy über die Website trustedhousesitters. Hier kann man sich auf die verschiedensten Housesits bewerben. Vom Kanarienvogel bis hin zur riesigen Alpaca-Farm ist alles dabei. Für den Anfang wollten wir uns erst einmal an drei Katzen versuchen, die laut Besitzerin nicht viel Aufmerksamkeit benötigen. Nun ist aber noch Ozzy dazwischen gerutscht und somit unser erster Housesit geworden.

Von insgesamt sieben Bewerbungen haben wir drei Zusagen bekommen, gar nicht mal so schlecht (Little Britain, Edmonton und danach Vancouver Island). Der Deal ist auch nicht schlecht: wir passen auf die Haustiere auf und im Gegenzug dürfen wir bei den  „Herrchen“ umsonst wohnen. Die Wohnlage und die Häuser sind in den meisten Fällen nicht zu unterschätzen.

 

Zur Wohnlage in Little Britain: von unserer Terrasse aus können wir den See sehen und leider auch die Mücken. Wer kann schon ahnen, dass Mücken diesen Ort ebenfalls super finden? Wir teilen uns die Terrasse mit „normalen“ Mücken, black flies, horse flies und deer flies – jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Doof, dass wir der Kuchen sind. Abends gemütlich draussen sitzen ist also nicht. Genauso wenig funktioniert gemütliches Wandern. Gestern wollten wir mal raus in die Wildnis von Kanada. Unsere Wanderung durch die Ken Reid Conservation Area teilt sich in zwei Versuche auf. Erster Versuch: 2 km laufen, feststellen, dass Mücken auch tagsüber aktiv sein können und uns ärgern, dass wir keinen Gedanken an Mückenspray verschwendet haben, Wanderung fluchend abbrechen. Zweiter Versuch: ab zum Supermarkt, den übelsten Mückenkiller, den es legal zu kaufen gibt holen, einen Gratis-Burger verputzen, da gerade ein Werbestand auf dem Parkplatz war und zurück in den Wald, den Kampf gegen die Mücken aufnehmen. Was soll ich sagen? Ja, es hilft erstaunlicherweise echt gut. Noch einmal Glück gehabt, die Wanderung war gerettet. Unterwegs haben wir übrigens Bekanntschaft mit der heimischen Tierwelt gemacht. Direkt am Eingang des Parks ein Schild, das uns auf aktive Bären zwischen April und Oktober hinweisen möchte und dann kreuzten auch noch zwei Schlangen  unseren Weg. Eine größere, die hat Laura gesehen, ich nicht, da ich mir die Schuhe zugebunden habe und eine kleinere, die im Gebüsch lag. Das erste Mal so unvorbereitet auf eine Schlange zu treffen verursacht einen gehörigen Adrenalinstoß (auch wenn sie nicht giftig sind). Für den Rest der Wanderung sahen die Baumwurzeln irgendwie alle verdächtig nach Schlange aus.

Ansonsten sind unsere Tage hier eher ruhig. Wie gesagt, 80 % Rentner, die aber durchaus interessiert sind, Leute von außerhalb kennenzulernen. Dies durften wir bereits am ersten Abend erfahren, als die Herrchen von Ozzy uns erklärten wie hier der Hase in der Nachbarschaft läuft. Man nehme seine Flasche Bier oder sein angefangenes Glas Wein und zur Sicherheit noch eine kleine Kühltasche mit weiteren Getränken und dann stellt man sich auf die Straße und lauscht, von wo aus Stimmen wahrzunehmen sind. Diesen Geräuschen folgt man dann und setzt sich zu den Nachbarn in den Garten und quatscht mit ihnen. Laura und ich haben dies bereits einige Male in die Tat umgesetzt. So haben wir auch unsere Nachbarn von schräg gegenüber kennengelernt, die für drei Tage die Woche eine kleine Ein-Frau-Bäckerei betreiben (die Frau backt super leckere Desserts und ihr Mann steht hinter dem Tresen und verkauft). Ich konnte sie sogar vom deutschen Brot überzeugen, welches wir dank Mamas Rezept bestmöglich versucht haben nachzubacken (Zuckerrübensirup war leider nirgendwo erhältlich und alles außer „all purpose“-Mehl auch eher schwierig).

 

Nach einem kleinen Abstecher vorbei an den Niagara Fällen geht es Dienstag mit dem Flieger von Toronto nach Edmonton für 2 1/2 Wochen. Unser zweiter Housesit ist an der Reihe, der mit den drei Katzen 😉

Die letzte Woche war für mich ein Gefühlschaos. Meine Gastkinder und Gasteltern nach so einer langen Zeit wiederzusehen, war super schön und ich hatte dann doch etwas weiche Knie, als ich Jordan auf dem Straßenmarkt von weitem gesehen habe und gar nicht glauben konnte wie groß und erwachsen er geworden ist. Die Begrüßung war anders als erwartet sehr herzlich für einen Teenager 😉 und ich hatte doch das Gefühl, dass er mich wiedererkannt hat (er ist mittlerweile 14 und war damals 3 1/2). Kaili kam kurze Zeit später dann auch noch dazu (sie war damals 1) 🙂 Leider hatten die beiden die Woche über jeden Tag bis 16 Uhr Schule und im Gegensatz zu uns auch sonst noch so einiges vor. Es war trotzdem schön, etwas Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Die 9 Tage vergingen einfach wie im Flug und schwups, war schon der Tag gekommen, nachdem es von New City über NYC nach Toronto gehen sollte. Mit einem kleinen Schockmoment ist die Reise gestartet, da der Bus nach NYC einfach nicht kommen wollte und mein Gastvater uns dann noch schnell zu einem anderen Bahnhof fahren musste und wir stattdessen den Zug genommen haben. Es ist dann aber alles gut ausgegangen, wir waren rechtzeitig am Bus-Terminal und konnten uns dann geschmeidige 11 Stunden lang zurücklehnen. Na ok, so war es nicht wirklich, das war nur der Werbetext des Greyhound-Reisebus und unsere naive Vorstellung. Die Wirklichkeit bestand aus andauernden Zwischenstopps, (nein nicht für Pipi-Stopps, sondern um mehr Personen einsteigen zu lassen) und Würgegeräuschen aus der Bustoilette. Außerdem tat unser Rücken schon nach kurzer Zeit weh (wir sind wohl einfach keine 18 mehr…). Naja nun aber genug gemeckert, immerhin war die Fahrt günstig und irgendwann war es dann soweit – wir kamen an der kanadischen Grenze an. Dort hieß es dann noch einmal Sitzfleisch beweisen, denn vor uns waren 4 Reisebusse, die ebenfalls über die Grenze wollten. Für die, die das Vorgehen nicht kennen: Jeder muss samt seines ganzen Gepäcks raus aus dem Bus rein in die Grenzkontrolle, seinen Reisepass vorlegen und ein paar Fragen beantworten…es kann also dauern! Nach ca. 2 Stunden war dann endlich unser Bus an der Reihe, alle raus und alle wieder rein…Fast! Bernd und ich nicht. Wir wurden in einen anderen Raum weiter gewunken, weil wir ein Working Holiday Visum beantragt hatten und anscheinend ist die Ausstellung hingegen der Erfahrungen aus diversen Foren wohl doch nicht so einfach. Da saßen wir also mit ca. 30 anderen Personen, von denen keiner aus unserem Bus war. Unser Busfahrer kam nach kurzer Zeit in das Büro marschiert und schaute sich hektisch um, fand uns dann und wunderte sich ein wenig, warum ausgerechnet die zwei mit dem deutschen Pass Probleme machen (er wusste nichts von unserem Visum und dachte höchstwahrscheinlich, dass wir nur Urlaub in Kanada machen wollten. Wir ließen ihn dann auch lieber in dem Glauben, da wir Stress vermeiden wollten). Er erklärte dann aber kurz und etwas mürrisch dem Grenzbeamten, dass die zwei deutschen in seinem Bus sitzen und er einen straffen Zeitplan hat. Das half anscheinend zumindest ein wenig, so dass der gesamte Bus nur ca. eine halbe Stunde auf uns warten musste. Mit eingetackertem Visum im Reisepass und einer Belehrung, dass wir damit nicht in Strip Clubs arbeiten dürfen, stiegen wir zurück in unseren Bus. Nach weiteren 3 Stunden sind wir dann endlich in Toronto angekommen.

Im Vorhinein waren wir noch begeistert von der Idee, über Nacht zu fahren und somit die Übernachtungskosten zu sparen und den vollen nächsten Tag genießen zu können. Der Tipp wurde auch in diversen Weltreiseblogs beschrieben, um Geld und Zeit zu sparen. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht mehr superjung sind, oder daran dass wir zu verwöhnt sind, oder woran auch immer. Ich sage euch, wir hatten zwar einen vollen ganzen Tag vor uns, der aber voll fürn Arsch war, weil wir total im Arsch waren. Wir sind, nachdem wir unsere Rucksäcke im Airbnb-Apartment abgestellt hatten, noch ein wenig am Kensington Market entlang gelaufen, aber viel los war mit uns nicht mehr. Gegen 17 Uhr haben wir aufgegeben und sind zurück zum Airbnb gelaufen und direkt tot ins Bett gefallen. Die völlige Erschöpfung hat dann auch noch bis zum nächsten Morgen um 10 Uhr angehalten. Dann ging es, bis auf anhaltende Rückenschmerzen, so langsam bergauf und wir konnten Toronto endlich genießen. Gestern ging es zu Fuß von Downtown Toronto über die Harbourfront und dem Lawrence Market zum Destillery District und schließlich bis zum City Centre. Heute sind wir mit der Fähre zu den Toronto Islands gefahren und bekamen Meeres-Feeling und eine super Skyline bei traumhaften Wetter für umsonst 🙂

Morgen war es das dann schon wieder mit Toronto. Es geht mit dem Mietwagen nach Little Britain (ca. 90 Minuten von Toronto entfernt) zu unserem ersten Housesit.

 

Aufgepasst, hier kommt mein Blogbeitrag Nr. 2. So langsam werde ich warm mit diesem „Schreiben“, manchmal benötigt es auch nur einen kleinen Stoß von Laura in die richtige Richtung. Ich sitze hier also auf der Terrasse der Brenner`s, die Sonne scheint und Denver, ein 9-Monate alter Boxer, kaut mir am Ohr. Ideale Vorraussetzungen, um die letzten sieben Tage zusammenzufassen. Zwei davon waren unsere letzten Tage in New York. Hier wurden schwere kulturelle Geschütze aufgefahren. Es galt das MOMA zu erkunden. Das Museum der modernen Kunst. Das Beste was die Kunstwelt derzeit zu bieten hat, nicht nur in New York, sondern weltweit. So die Worte unseres AirBnB-Vormieters Carol, Fotograf und Lebenskünstler. Natürlich mussten wir uns davon selber überzeugen. Ich sag mal so, zum Glück war der Eintritt an dem Freitag kostenlos…für manche Sachen braucht man anscheinend einfach etwas länger. Etwas verstört und auf der Suche nach Alkohol hat es uns dann ins Rumhouse verschlagen. Eine feine Bar mit Livemusik, endlosen Reihen von Rum und Cocktails. Der perfekte Abschluss für das Kapitel New York.

Am Samstag nahmen wir uns einen Mietwagen und sind nach Philadelphia gefahren. Die Sehenswürdigkeiten waren schnell abgehakt (City Hall, Liberty Bell, Reading Terminal Market) und aufgegessen (Philly Cheesesteak). Wir waren schließlich nur aus einem Grund hier: Justin Timberlake! Ein echt gutes Konzert mit einer fetten Bühnenshow. Der Frauenanteil lag so bei um die 95%. Würde Laura jetzt diesen Beitrag schreiben, dann würde die Beschreibung noch etwas euphorischer und detailreicher ausfallen. Aber wie war das nochmal mit dem höchsten Lob des Westfalen: Ja, war OK.

Mit dem Zug ging es am Sonntag raus aus der Stadt und ab zu den Brenners, Lauras ehemalige Gastfamilie aus Aupair-Zeiten. Wir trafen sie an ihrem Verkaufsstand auf dem Straßenmarkt von Nanuet. Die Brenners stellen eigene Chilli- und Grillsoßen her. Sehr zu empfehlen, ich habe direkt mal die Sorte TKO (technical knock-out) probiert. Doof, dass man den Namen ernst nehmen sollte. Meine Zunge brennt immer noch und war stellenweise etwas taub. Wir haben die Brenners das letzte Mal 2010 besucht, wie die Zeit vergeht. Die Kleinen werden ja so schnell groß…aber gefühlt waren wir nur kurz für einen Monat weg.

Hier, in New City, geht es ruhiger zu als in New York. So haben wir Zeit für Basketball, Joggen mit den Hunden, „nur gucken“ in der Mall und Rad fahren. Die Amerikaner sind übrigens berühmt für ihre gut ausgebauten Radwege und Bürgersteige, nicht. Laura wird im nächsten Beitrag noch etwas mehr berichten. Ich würde ja jetzt gerne noch weiter schreiben, aber ich muss den Smoker beobachten, es gibt ein typisches amerikanisches Barbecue morgen. Und die 14 Kilo Rinderbrust brauchen halt ihre Zeit im Smoker, die ganze Nacht…

Als ich damals ein Jahr lang in NY gelebt habe, bestanden die Wochenenden meist aus shoppen, essen gehen und shoppen. Vielleicht lagen meine Prioritäten mit 19 Jahren woanders, vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir mit meinem 45Liter Rucksack nur eingeschränkte Möglichkeiten zu Verfügung stehen – NYC hat auf jeden Fall deutlich mehr zu bieten! In den letzten Tagen stand einiges auf dem Plan, was ich vorher in der Stadt noch nie gemacht hatte. Joggen bei traumhaftem Wetter im Central Park war z.B. ein großes Highlight (zumindest für mich, Bernd hat aber mit geringfügigem Fluchen ausgesprochen gut mitgehalten) und ich habe mich für einen Moment wie ein richtiger New Yorker gefühlt.

Am Wochenende haben wir mit bestehendem „Equipment“ versucht, in NYC schick auszugehen (ok, ein wenig geschummelt, wir waren noch bei Century21, damit wir nicht als Ober-Backpacker geoutet werden). Abends um 22 Uhr den Tisch reserviert (in Erle und Umgebung wohl kaum möglich) und den warmen Resttag draußen bei Bier, Wein und gutem Essen genossen.

Ein weiteres Highlight war diese Woche definitiv der Besuch in Brooklyn. Zuerst noch gestresst, mit tausenden von Touris über die Brooklyn Bridge gelaufen. Nach kurzer Zeit schienen die aber wohl keine Lust mehr zu haben und wir überquerten mit nur noch wenigen Leuten den restlichen Teil. In Brooklyn angekommen, waren wir dann im Viertel Dumbo mit Aussicht auf die Manhattan Bridge, im Brooklyn Bridge Park und bei einer Stand-up Comedy Show von Side Ponytail. Wir waren vorab etwas misstrauisch, ob wir die Witze als Ausländer verstehen, aber es hat meist ganz gut geklappt und es war wirklich super lustig. Anschließend zurück über die Brooklyn Bridge mit fantastischer Aussicht auf die Skyline und vor allem ohne viele Menschen, die einem den Blick versperren.

Weitere tolle Momente: Yoga im Bryant Park, obwohl das Aufstehen um 06.30 Uhr echt hart war 😉 ; Roosevelt Island mit gruseligem Flair; Gantry Plaza Park mit einem mal etwas anderen Blick auf die Skyline und auf das Pepsi-Cola-Schild und gestern schließlich noch der Liberty State Park in New Jersey. Die Aussicht ist fast ein Geheimtipp, denn umsonst bekamen wir hier einen super und vor allem ziemlich nahen Ausblick auf die Freiheitsstatue.

 

PS: Wir werden in Zukunft versuchen, ca. 1x die Woche einen Blogbeitrag einzustellen und 1x pro Tag von uns auf Instagram hören zu lassen. Für alle, die uns noch nicht auf Instagram gefunden haben: https://www.instagram.com/wat.erleben/. Die Bilder könnt ihr auch sehen, wenn ihr nicht registriert seid und sie sind im Blog rechts in der Sidebar oder beim Smartphone ganz unten auf der Seite zu finden. Außerdem findet ihr auf unserem Blog (ganz unten auf der Seite) eine Weltkarte, um einen Überblick zu haben, wo wir uns gerade rumtreiben.

Unsere erste Station führt uns also nach New York. Ein Traum für Laura, gewöhnungsbedürftig für mich. O-Ton Laura: „In jeder anderen Stadt würde mich dieses laute Gewusel nerven“. Wie oft auch der Satz gefallen ist: „Sowas geht auch nur in New York“ – „Sowas kann man nur in New York tragen“.

Unsere ersten Tagen verliefen noch etwas planlos, einfach mal loslaufen… Als erstes den Touristenmagneten Times Square abgehakt, weiter zum Grand Central und in den High Line Park gestolpert. Diese still gelegte Bahnschiene ist eine willkommene Abwechslung zum sonst so lauten NY. Mindestens genauso ruhig ist Governors Island, fünf Minuten mit der Fähre entfernt warten einige verlassene Häuser und ein ehemaliges Fort auf uns. Die Freiheitsstatue sieht von hier ziemlich klein aus, was vielleicht auch daran liegt, dass sie ziemlich klein ist…um noch näher an die Statue ran zu kommen, nehmen wir die Staten Island Ferry. Größer wird sie dadurch aber auch nicht. Größer werden nur Lauras Augen als wir Tiffanys betreten (wir haben extra Breakfast at Tiffany’s am Abend vorher geschaut). Ein Traum für Frauen auf 5 Etagen, ein Alptraum fürs Portemonnaie. Hier kommen 20 Verkäufer auf 2 Kunden, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass wir auf der Etage mit den Engagement Rings gelandet sind…reiner Zufall.

Wahnsinn auch wie schnell man sich an Sachen gewöhnen kann. Am ersten Tag habe ich jedem Krankenwagen, Polizeiwagen und Feuerwehrauto hinterher geguckt, welche mit lauter Sirene an uns vorbeifahren und das im Minutentakt, jetzt ist es höchstens ein Hintergrundrauschen geworden. Hupen gehört hier zum guten Ton, jeder, aber auch wirklich jeder Autofahrer möchte anscheinend seine Meinung mitteilen…und brav an der roten Ampel warten gehört auch der Vergangenheit an.