Wir sind bereits 3,5 Monate unterwegs und haben anscheinend immer noch nicht aus dem ein oder anderen Fehler gelernt. So wollten wir im Schatten des Mount Washingtons wandern, hierfür brauchten wir zwei Versuche. Beim ersten Anlauf waren wir mit unserer Standardausrüstung bewaffnet: kurze Hose, T-Shirt und Wasser. Wer soll auch ahnen, dass es genau an diesem Tag regnet? Schließlich waren die letzten Wochen furztrocken. Wir sind 1 km gewandert und haben uns keine Gedanken über diese dunklen Wolken am Himmel gemacht. Andere Wanderer anscheinend schon, die kamen uns entgegen und meinten wir sollten doch besser umdrehen, das Wetter wäre hier oben nicht zu unterschätzen. Nach einer kurzen Überlegung „ach wat, dat regnet schon nicht“, einen Blick in den Himmel, „na gut, vielleicht sollten wir besser umdrehen“, sind wir zurück zum Auto. Am nächsten Tag waren wir perfekt gerüstet: Regenhose, Regenjacke, wasserdichter Rucksack und zwei Hunde, die uns begleitet haben. Klar, an diesem Tag regnete es nicht und es war wärmer als gedacht.

Unterwegs am Mount Washington, Courtenay | wat-erleben

Unterwegs am Mount Washington, Courtenay | wat-erleben

In Courtenay gibt es keine Arbeit mehr, deswegen ging es für uns am Anfang der Woche zurück nach Campbell River. Hier am Fluss brauchten wir dann wiederum zwei Anläufe, um mit den Lachsen zu schnorcheln, die im Moment die Flüsse hoch wandern. Um diese Jahreszeit ist der Wasserstand nicht besonders hoch. Die kleinen und großen Steine sieht und merkt man natürlich auch erst wenn man im Wasser ist, dies war Versuch Nummer 1. Wir hampelten also wieder raus aus dem Wasser, liefen 100 Meter flussabwärts,  um den Steinen aus dem Weg zu gehen und starteten dann im tieferen Wasser. Dies macht durchaus mehr Spaß. Beim nächsten Mal hatten wir dann auch jeder einen Schwimmreifen dabei, die grandiose Idee, man könne sich einen teilen, macht nämlich gar keinen Sinn. Trotz aller Startschwierigkeiten, war dieses Erlebnis einmalig. Wir haben unglaublich viele Fische gesehen und hatten die Chance, ihnen relativ Nahe zu kommen.

Laura nach dem Schnorcheln mit den Lachsen, Campbell River | wat-erleben

Laura nach dem Schnorcheln mit den Lachsen, Campbell River | wat-erleben

Unser Nachbar Mr. Flusskrebs, Campbell River | wat-erleben

Unser Nachbar Mr. Flusskrebs, Campbell River | wat-erleben

Da wir jetzt wussten, wo die Lachse sich am liebsten aufhalten, mussten wir unser Angelglück austesten. Mit einer, dieses Mal professionellen, Fliegenrute habe ich den Tag am Fluss verbracht. Ich habe keine Ahnung, warum kein Fisch angebissen hat. Wir hatten den besten Spot, die beste Ausrüstung und jede Menge Know-How. Laura hat den Köder ausgesucht: „Nimm die pinke Fliege, die glitzert so schön“ und mir jede Menge wertvolle Tips vom Ufer zugerufen. So hat sie mir auch gezeigt wie die Angel am besten ausgeworfen wird. Nach ihrem ersten Versuch durfte ich ins Wasser stiefeln, den eingeklemmten Haken lösen. Ich habe mich aber auch nicht besser angestellt. Ach ja, fürs Angeln benötigte ich auch zwei Versuche. Beim ersten bin ich ins Wasser gefallen und war komplett nass, beim zweiten hatte ich einen Neoprenanzug an. Das sah zwar komisch aus, aber sicher ist sicher. Diese Anzüge schmeicheln einfach meiner Figur.

Bernd versucht sich beim Fliegenfischen, Campbell River | wat-erleben

Bernd versucht sich beim Fliegenfischen, Campbell River | wat-erleben

Gerettet wurde unser Tag dann doch noch. Wir durften einen Ausflug mit einem 68er Ford Mustang machen. Ein Freund von Cindy, unserer Gastgeberin, kam damit auf den Hof gefahren. Nach meinem „Wow, nice car“ flogen mir die Schlüssel entgegen „Take your girl, have some fun“. Zugegeben, ich war sprachlos und etwas nervös, würde so etwas jemals in Deutschland passieren? Zum Glück gelang uns diese Tour beim ersten Versuch und wir gaben das Auto unversehrt zurück.

Der 68er Ford Mustang, Campbell River | wat-erleben

Der 68er Ford Mustang, Campbell River | wat-erleben

Eigentlich wollten wir bis ca. Mitte/Ende September bei unseren Gastgebern bleiben. Uns gefällt es wirklich super hier, aber leider gibt es nicht mehr genug Arbeit für uns. Vielleicht war es Schicksal und es sollte so sein. Fast drei Monate […]

Gestern Abend haben wir unsere erste Übungs-Tauchrunde im Hallenbad absolviert. In Deutschland haben wir zwar bereits tauchen gelernt, aber nicht im Trockenanzug, das holen wir jetzt nach. Es gilt, wer in Deutschland tauchen lernt, der kann auf der ganzen Welt tauchen gehen, vor allem wenn man es im Winter lernt. Null Sicht und 6 Grad Wassertemperatur waren damals für unseren Tauchlehrer Jörg optimale Bedingungen und kein Grund zur Sorge. Hier noch mal ein großes Dankeschön an Jörg vom Tauchclub Maritim in Borken, der sehr geduldig mit uns war.

Wir wollen uns unbedingt selbst davon überzeugen, ob Vancouver Island wirklich zu den besten Kaltwasser-Tauchgebieten der Welt gehört. Wahrscheinlich können wir erst am Ende unserer Reise eine Antwort auf die besten Tauchspots geben, bislang haben wir ja noch keine Vergleichsmöglichkeiten gesammelt. Unser Übungssee in Büderich zählt eher nicht dazu, wir konnten nicht mal unsere Hände sehen. Zitat Jörg: „War doch schön, oder? Man konnte sogar etwas Gras an der Uferböschung sehen“.

Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es Sonntag wird, wenn wir mit dem Boot rausfahren, um zwei weitere Tauchgänge zu absolvieren. Laura hofft, dass wir Unterwasser auf ein paar verspielte Robben treffen. Meine Mama hofft, dass wir wieder auftauchen. Ich hoffe, dass wir wirklich trocken bleiben. Die Tauchgänge haben wir uns zu unserem 10-jährigen Jubiläum geschenkt, welches heute oder morgen ist. So ganz genau wissen wir das nämlich nicht. Junge, junge wie die Zeit vergeht und ein Wunder, dass Laura es so lange mit mir ausgehalten hat oder ich mit Laura oder so.

 

Hier, auf unserer kleinen Farm, können wir es auch recht gut aushalten. Wir haben uns gut eingelebt und sind jeden Tag schwer beschäftigt. Die Hunde haben einfach zu viele Lieblingsstrände, die sie uns zeigen wollen. Uns gefällt es hier so gut, dass aus ursprünglich zwei Wochen Aufenthalt nun vier bis sechs Wochen werden. Mal schauen, wann wir weiter reisen, die nächsten Tage wird unser nächstes Reiseziel konkreter. Es hat sicherlich mit Tauchen zu tun und mit Walhaien, wenn wir Glück haben.

Mit den Hunden am Williams Beach | wat-erleben

Mit den Hunden am Williams Beach | wat-erleben

Laura und Annie am Airforce Beach | wat-erleben

Laura und Annie am Airforce Beach | wat-erleben

Jax und sein Silberblick | wat-erleben

Jax und sein Silberblick | wat-erleben

Das altbekannte Spiel | wat-erleben

Das altbekannte Spiel | wat-erleben

Annie am Airforce Beach | wat-erleben

Annie am Airforce Beach | wat-erleben

Zurzeit haben wir das erste Mal das Gefühl, dass wir völlig frei sind – ganz ohne Plan und ohne zu wissen, ob wir weiterhin in Kanada bleiben oder weiterziehen werden. Die letzten 3 Monate waren definitiv ein Abenteuer, die Destinationen aber alle geplant (die meisten schon von Deutschland aus). Wirklich nervös macht mich das gerade nicht. Ganz im Gegenteil, wir genießen unsere Zeit in Courtenay und ich bin froh, dass wir so flexibel sind.

Das „Ziel“ Courtenay, für einen Help Exchange, war alles andere als flexibel bzw. spontan. Laut Helpx-Inbox hatten wir Ende April das erste Mal eine Anfrage an unsere Gastgeber gesendet und  auch direkt eine Zusage für August erhalten. Damals wussten wir noch nicht, dass wir damit ganz schön früh dran sind. Vielleicht brauchten wir auch einfach die Sicherheit, für den Anfang unserer Reise. Selbst unsere Gastgeberin meinte am ersten Tag: „Also um ehrlich zu sein, hätte ich nicht damit gerechnet, dass ihr wirklich kommt.“ „Waaaaas? Klar doch, wir sind Deutsch, wir halten uns an Pläne“ – haben Bernd und ich, beide mit einem unterstützenden Kopfnicken, erwidert…oder so ähnlich.

Ich fange aber mal von vorne an: Wir sind seit letzter Woche Samstag in Courtenay, unserem zweiten Help Exchange. Courtenay liegt wie Nanaimo an der Ostküste von Vancouver Island und ist die größte Stadt im Comox Valley. Unsere Gastgeber leben allerdings außerhalb der Stadt, auf einer, wir würden es fast Farm nennen, auch wenn unsere Gastgeberin einer anderen Meinung ist. Unsere Gastgeber, ein Ehepaar in den End-60ern, zwei Labradore, eine Katze und drei Pferde sind nun seit fast einer Woche unser Zuhause. Wir haben uns direkt vom ersten Tag an wohl gefühlt und wussten beide schnell, dass es genau aus diesem Grund eine gute Entscheidung war, noch keine weiteren Pläne zu schmieden.

Die letzten Tage mussten wir uns erst einmal einfinden, hatten Spaß daran mit anzupacken und zu arbeiten. Gestern haben unsere Gastgeber uns dann quasi genötigt, mit der Arbeit aufzuhören, das Grundstück zu verlassen und sagten: „Go and have some fun“. Also haben wir uns Abends noch aufgerafft und sind mit dem Auto zum Strand gefahren – das tolle an dem Auto ist übrigens, dass wir es ganz für uns alleine haben und damit so viel fahren dürfen wie wir wollen.

Bernd bei der Arbeit | wat-erleben

Bernd bei der Arbeit | wat-erleben

Luftgewehrschießen; ratet mal, wer besser gezielt hat? | wat-erleben

Luftgewehrschießen; ratet mal, wer besser gezielt hat? | wat-erleben

Coleman Provincial Park, Go-and-have-some-fun-Abend | wat-erleben

Coleman Provincial Park, Go-and-have-some-fun-Abend | wat-erleben

Heute haben wir, mal wieder typisch Deutsch, an unserem freien Tag einen Plan erstellt, was wir hier in der Gegend alles noch entdecken wollen. Eigentlich waren knapp zwei Wochen beim HelpX geplant, aber wer weiß, „Pläne“ können sich ja ändern 😉

Unsere erste Erfahrung mit der Platform HelpX haben wir recht gut gemeistert. Die Zeit verging wie im Flug, was auch zu einem großen Teil unserer Gastgeberin geschuldet war, da sie uns immer auf Trab gehalten hat. Im positiven Sinne. So kam es auch mal, dass ich mich morgens im Park wieder gefunden habe, um mit meinen Händen große Energiebälle zu formen und diese durch die Luft zu bewegen. Gleichzeitig haben meine Füße Wurzeln bis zum Erdkern geschlagen, damit ich mir die Energie der Erde zu Nutzen machen kann. Die Geschwindigkeit mit der die meisten Bewegungen beim Tai-Chi ablaufen, gleichen der meines normalen Ganges. Ich bin also ein praktizierender Tai-Chi-Großmeister im Alltag. Voller Energie konnten wir in den Tag starten und unsere anstehende Hausarbeit, Gartenarbeit und Büroarbeit erledigen.

Das Meer bei Campbell River | wat-erleben

Das Meer bei Campbell River | wat-erleben

In unserer freien Zeit haben wir uns den Fluss runter treiben lassen oder haben die Strände und Nationalparks in der Nachbarschaft erkundet. Bei einem Ausflug durften wir auch Bekanntschaft mit der örtlichen Polizei machen. Da wir uns dank Google Maps verfahren hatten, sind wir an einer Brücke ausgekommen, wo Bauarbeiten ausgeführt wurden. Die Brücke kam mir komisch vor, da sie auf unserer normalen Route nicht geplant war. Ich habe mich daher dazu entschlossen, vor der Brücke zu wenden und den Weg zurück zu fahren. Vor der Brücke waren zwei Streifenwagen positioniert, die Polizisten winkten uns zu, ich winkte zurück und habe den Wagen umgedreht. Die Kanadier sind ja bekannt für ihre Freundlichkeit. Laura meinte noch, dass ich doch besser angehalten hätte, vielleicht wollte die Polizei ja was von uns. Ratet mal, so war es auch, keine 500 Meter später habe ich im Rückspiegel ein Lichtermeer von blau und rot gesehen, begleitet von einer lauten Sirene. Mit ordentlich Herzklopfen bin ich rechts ran gefahren. In Gedanken habe ich mich schon im Knast gesehen. Zu unserem Glück war der Officer, nach einer anfangs sehr ernsten Miene, gut gelaunt und hat uns noch einen Witz erzählt, warum ich immer auf meine Freundin hören sollte, auch wenn es manchmal keinen Sinn ergeben würde. Die Wasserfälle, die wir danach besucht haben, gerieten irgendwie in den Hintergrund, zu aufregend war der Zwischenfall mit der Polizei. So aufregend, dass wir das Hinweisschild übersehen haben, auf dem steht, dass der Parkplatz um 21 Uhr schließt. Wir haben uns auf dem Rückweg deshalb vor einer verschlossenen Schranke wiedergefunden. Leider haben wir auch keinen Geländewagen, mit dem wir außen rum hätten fahren können. Wir wurden also von unserer Gastgeberin abgeholt und das Auto hat ganz alleine auf dem Parkplatz übernachtet. Ja, ja, wat erleben.

Elk Falls | wat-erleben

Elk Falls | wat-erleben

Elk Falls Suspension Bridge | wat-erleben

Elk Falls Suspension Bridge | wat-erleben

 

Fast genauso aufregend war auch unser Vorhaben, die 150 km zurück zum Housesit nach Nanaimo per Anhalter zu fahren. Getrieben von 80$, die wir für ein Busticket sparen und der guten Erfahrung unserer Gastgeberin, haben wir es einfach mal versucht. Wir wurden von ihr an einer vielbefahrenen Straße ausgesetzt und siehe da, keine 20 Minuten später hat ein älterer Herr angehalten und uns mitgenommen. Auch hier verging die Zeit wie im Flug, mit vielen Tipps zu Kanada, Vancouver Island und anderen Reisezielen wurden wir direkt vor unserer Haustür rausgelassen. Besser hätte ein erster Versuch nicht aussehen können. Wir sind zurück bei Bentley, dem Labrador, den wir aufpassen und der jetzt gerade meine Füße unter dem Tisch wärmt. Eine der Katzen, Bagheera, die wir mit aufpassen, haben wir immer noch nicht gesehen. Gut, dass uns auch die berüchtigte Katze der Insel nicht über den Weg gelaufen ist – der Cougar, auf Deutsch Puma. Gestern waren wir auf Newcastle Island, einer kleinen Insel, 5 Minuten mit der Fähre entfernt. Unser Ziel war die Umrundung der Insel. Blöd, dass wir vom Weg abgekommen sind und uns direkt am Wasser wiedergefunden haben. Laura schimpft immer noch über meinen Orientierungssinn, denn auf meinem Handy hätte ich schwören können, dass da ein Weg war. Das alleine wäre ja nicht weiter tragisch. Als wir aber die Überreste eines Reh-Skelettes auf den Felsen entdeckt haben, wurde es uns doch mulmig zumute. Die Szene erinnert mich an den König der Löwen, wo Simba den Elefantenfriedhof entdeckt. Wir haben uns sofort umgedreht und sind zurück gelaufen. Irgendetwas hätte mir auch auffallen müssen, als der Wanderweg zu einem Pfad, dann zu einem Trampelfad und schließlich zu einem Nichts wurde. Da hilft es auch nicht zu wissen, dass ein Puma (normalerweise) kein Interesse an Menschen hat.

Newcastle Island | wat-erleben

Blick von Newcastle Island | wat-erleben