Abseits unserer Instagram-Beiträge gibt es für diese Woche nicht so viel zu erzählen. Montagmorgen mussten wir uns von Ozzy und den Besitzern verabschieden. Irgendwie schon verrückt wie schnell wir uns an den Housesit gewöhnt hatten und dann wurde ich zum Abschied doch ein wenig traurig.

Ozzy in seiner Wohlfühl-Position

Samstag Abend waren wir noch auf einer kleinen Nachbarschaftsfeier. Das ist hier so üblich, die nächste Bar ist 25 Minuten mit dem Auto entfernt und das Taxi ist zu teuer. Mit Schlappen und Getränk in der Hand ging es zur „Angry Duck“. Das ist der Name der selbstgebauten Bar der Nachbarn, die sich direkt in deren Wohnzimmer befindet. Nach einigen Shots (der Gastgeber war für einige Jahre Barkeeper in Portugal und England) und Kaltgetränken wurden die Stühle zur Seite geschoben und zu Hits der 70-90er gemischt mit ein paar Oldies das Tanzbein geschwungen. Es war ein richtig lustiger Abend und zum Schluss gab es sogar noch ein Gruppenfoto als Andenken. Vielen Dank noch einmal, dass wir so herzlich in die Nachbarschaft aufgenommen wurden 🙂

Selbstgemachte Shots auf der Nachbarschaftsparty

Zurück aber zum Montagmorgen: Mit dem Mietwagen sind wir von Little Britain zu den Niagara Fällen (kanadische Seite) gefahren. Ein Highlight unseres Tages war der Niagara Glen Nature Park. Endlich konnten wir unsere Wanderschuhe auspacken! Anschließend noch ein kurzer Abstecher zum kleinen Örtchen Niagara on the Lake und dann mit dem Auto zurück nach Toronto.

Horseshoe Falls

 

Niagara Fälle

 

Der Whirlpool-Trail im Niagara Glen Nature Park

Am nächsten Morgen ging es sehr früh zum Flughafen (zum Glück lag unser Airbnb nicht weit entfernt) und pünktlich um 9 Uhr hoben wir ab, Richtung Edmonton zu unserem zweiten Housesit. Bevor es jedoch dort hin gehen sollte, machten wir noch einen kurzen Abstecher ins größte Einkaufszentrum Nordamerikas, der West Edmonton Mall. Dort ist es einfach verrückt und wir trauten unseren Augen kaum. Auf nur 2 Stockwerken hatte man über 800 Geschäfte platziert, inklusive einem riesig angelegtem Teich mit Jack Sparrow ähnlichem Piratenschiff und Seelöwen-Veranstaltungen, einer Eisbahn mitten auf dem zweiten Stockwerk und einem Indoor-Wasserpark, in dem man von außen reinschauen konnte. Irgendwann reichte es uns dann aber und da Shoppen mit einem Reiserucksack eh keinen Spaß macht, fuhren wir nach Wetaskiwin (ca. 90 Minuten von Edmonton entfernt). Vorbei an zahllosen Feldern und vereinzelten Häusern bogen wir irgendwann in Straßen ab, ohne Asphaltierung und mit SUV-freundlichen-Schlaglöchern. Dann waren wir mitten im Wald angekommen. Da dort nur ein Haus stand, mussten wir also richtig sein. Als wir auf die Einfahrt bogen, begrüßte uns auch schon Debbie, unsere Gastgeberin und eine der Katzen, Mop (die andere Katze, Mr. Cocky, muss sich wohl, wie der Name schon vermuten lässt, noch an uns gewöhnen und geht uns gerade noch aus dem Weg ;)). Abends gab es Würstchen mit Kartoffelsalat und wir fielen todmüde ins Bett.

Seit gestern Morgen sind wir auf uns alleine gestellt: Ein riesiger Garten und wunderschöne Blumen, die wir auf keinen Fall umbringen wollen, dürfen jetzt 2,5 Wochen von uns gepflegt werden.

Bernd testet schon mal das Quad

Ein Kolibri direkt vor unserem Fenster

Nachdem wir New York und Toronto bereits in und auswendig kennen, war es Zeit für etwas Neues. Und wie soll man diese Städte bitte noch überbieten können? Genau, mit Little Britain, 1.100 Einwohner, überall verstreut auf dem Land. Unser „Viertel“ umfasst 80 Häuser direkt am Lake Scugog. 80% unserer Nachbarn befinden sich im Ruhestand – was wohl der Grund ist, warum hier jeden Tag irgendwo der Rasen gemäht wird.

Warum ausgerechnet Little Britain, wo der nächste Supermarkt 20 km entfernt liegt? Ganz einfach, hier wohnt Ozzy, ein 65 kg schwerer Alaskan Mamalute, dessen Herrchen in den Urlaub fahren und wir passen in der Zwischenzeit auf ihn auf, da wir Zeit haben. Gefunden haben wir Ozzy über die Website trustedhousesitters. Hier kann man sich auf die verschiedensten Housesits bewerben. Vom Kanarienvogel bis hin zur riesigen Alpaca-Farm ist alles dabei. Für den Anfang wollten wir uns erst einmal an drei Katzen versuchen, die laut Besitzerin nicht viel Aufmerksamkeit benötigen. Nun ist aber noch Ozzy dazwischen gerutscht und somit unser erster Housesit geworden.

Von insgesamt sieben Bewerbungen haben wir drei Zusagen bekommen, gar nicht mal so schlecht (Little Britain, Edmonton und danach Vancouver Island). Der Deal ist auch nicht schlecht: wir passen auf die Haustiere auf und im Gegenzug dürfen wir bei den  „Herrchen“ umsonst wohnen. Die Wohnlage und die Häuser sind in den meisten Fällen nicht zu unterschätzen.

 

Zur Wohnlage in Little Britain: von unserer Terrasse aus können wir den See sehen und leider auch die Mücken. Wer kann schon ahnen, dass Mücken diesen Ort ebenfalls super finden? Wir teilen uns die Terrasse mit „normalen“ Mücken, black flies, horse flies und deer flies – jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Doof, dass wir der Kuchen sind. Abends gemütlich draussen sitzen ist also nicht. Genauso wenig funktioniert gemütliches Wandern. Gestern wollten wir mal raus in die Wildnis von Kanada. Unsere Wanderung durch die Ken Reid Conservation Area teilt sich in zwei Versuche auf. Erster Versuch: 2 km laufen, feststellen, dass Mücken auch tagsüber aktiv sein können und uns ärgern, dass wir keinen Gedanken an Mückenspray verschwendet haben, Wanderung fluchend abbrechen. Zweiter Versuch: ab zum Supermarkt, den übelsten Mückenkiller, den es legal zu kaufen gibt holen, einen Gratis-Burger verputzen, da gerade ein Werbestand auf dem Parkplatz war und zurück in den Wald, den Kampf gegen die Mücken aufnehmen. Was soll ich sagen? Ja, es hilft erstaunlicherweise echt gut. Noch einmal Glück gehabt, die Wanderung war gerettet. Unterwegs haben wir übrigens Bekanntschaft mit der heimischen Tierwelt gemacht. Direkt am Eingang des Parks ein Schild, das uns auf aktive Bären zwischen April und Oktober hinweisen möchte und dann kreuzten auch noch zwei Schlangen  unseren Weg. Eine größere, die hat Laura gesehen, ich nicht, da ich mir die Schuhe zugebunden habe und eine kleinere, die im Gebüsch lag. Das erste Mal so unvorbereitet auf eine Schlange zu treffen verursacht einen gehörigen Adrenalinstoß (auch wenn sie nicht giftig sind). Für den Rest der Wanderung sahen die Baumwurzeln irgendwie alle verdächtig nach Schlange aus.

Ansonsten sind unsere Tage hier eher ruhig. Wie gesagt, 80 % Rentner, die aber durchaus interessiert sind, Leute von außerhalb kennenzulernen. Dies durften wir bereits am ersten Abend erfahren, als die Herrchen von Ozzy uns erklärten wie hier der Hase in der Nachbarschaft läuft. Man nehme seine Flasche Bier oder sein angefangenes Glas Wein und zur Sicherheit noch eine kleine Kühltasche mit weiteren Getränken und dann stellt man sich auf die Straße und lauscht, von wo aus Stimmen wahrzunehmen sind. Diesen Geräuschen folgt man dann und setzt sich zu den Nachbarn in den Garten und quatscht mit ihnen. Laura und ich haben dies bereits einige Male in die Tat umgesetzt. So haben wir auch unsere Nachbarn von schräg gegenüber kennengelernt, die für drei Tage die Woche eine kleine Ein-Frau-Bäckerei betreiben (die Frau backt super leckere Desserts und ihr Mann steht hinter dem Tresen und verkauft). Ich konnte sie sogar vom deutschen Brot überzeugen, welches wir dank Mamas Rezept bestmöglich versucht haben nachzubacken (Zuckerrübensirup war leider nirgendwo erhältlich und alles außer „all purpose“-Mehl auch eher schwierig).

 

Nach einem kleinen Abstecher vorbei an den Niagara Fällen geht es Dienstag mit dem Flieger von Toronto nach Edmonton für 2 1/2 Wochen. Unser zweiter Housesit ist an der Reihe, der mit den drei Katzen 😉

Die letzte Woche war für mich ein Gefühlschaos. Meine Gastkinder und Gasteltern nach so einer langen Zeit wiederzusehen, war super schön und ich hatte dann doch etwas weiche Knie, als ich Jordan auf dem Straßenmarkt von weitem gesehen habe und gar nicht glauben konnte wie groß und erwachsen er geworden ist. Die Begrüßung war anders als erwartet sehr herzlich für einen Teenager 😉 und ich hatte doch das Gefühl, dass er mich wiedererkannt hat (er ist mittlerweile 14 und war damals 3 1/2). Kaili kam kurze Zeit später dann auch noch dazu (sie war damals 1) 🙂 Leider hatten die beiden die Woche über jeden Tag bis 16 Uhr Schule und im Gegensatz zu uns auch sonst noch so einiges vor. Es war trotzdem schön, etwas Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Die 9 Tage vergingen einfach wie im Flug und schwups, war schon der Tag gekommen, nachdem es von New City über NYC nach Toronto gehen sollte. Mit einem kleinen Schockmoment ist die Reise gestartet, da der Bus nach NYC einfach nicht kommen wollte und mein Gastvater uns dann noch schnell zu einem anderen Bahnhof fahren musste und wir stattdessen den Zug genommen haben. Es ist dann aber alles gut ausgegangen, wir waren rechtzeitig am Bus-Terminal und konnten uns dann geschmeidige 11 Stunden lang zurücklehnen. Na ok, so war es nicht wirklich, das war nur der Werbetext des Greyhound-Reisebus und unsere naive Vorstellung. Die Wirklichkeit bestand aus andauernden Zwischenstopps, (nein nicht für Pipi-Stopps, sondern um mehr Personen einsteigen zu lassen) und Würgegeräuschen aus der Bustoilette. Außerdem tat unser Rücken schon nach kurzer Zeit weh (wir sind wohl einfach keine 18 mehr…). Naja nun aber genug gemeckert, immerhin war die Fahrt günstig und irgendwann war es dann soweit – wir kamen an der kanadischen Grenze an. Dort hieß es dann noch einmal Sitzfleisch beweisen, denn vor uns waren 4 Reisebusse, die ebenfalls über die Grenze wollten. Für die, die das Vorgehen nicht kennen: Jeder muss samt seines ganzen Gepäcks raus aus dem Bus rein in die Grenzkontrolle, seinen Reisepass vorlegen und ein paar Fragen beantworten…es kann also dauern! Nach ca. 2 Stunden war dann endlich unser Bus an der Reihe, alle raus und alle wieder rein…Fast! Bernd und ich nicht. Wir wurden in einen anderen Raum weiter gewunken, weil wir ein Working Holiday Visum beantragt hatten und anscheinend ist die Ausstellung hingegen der Erfahrungen aus diversen Foren wohl doch nicht so einfach. Da saßen wir also mit ca. 30 anderen Personen, von denen keiner aus unserem Bus war. Unser Busfahrer kam nach kurzer Zeit in das Büro marschiert und schaute sich hektisch um, fand uns dann und wunderte sich ein wenig, warum ausgerechnet die zwei mit dem deutschen Pass Probleme machen (er wusste nichts von unserem Visum und dachte höchstwahrscheinlich, dass wir nur Urlaub in Kanada machen wollten. Wir ließen ihn dann auch lieber in dem Glauben, da wir Stress vermeiden wollten). Er erklärte dann aber kurz und etwas mürrisch dem Grenzbeamten, dass die zwei deutschen in seinem Bus sitzen und er einen straffen Zeitplan hat. Das half anscheinend zumindest ein wenig, so dass der gesamte Bus nur ca. eine halbe Stunde auf uns warten musste. Mit eingetackertem Visum im Reisepass und einer Belehrung, dass wir damit nicht in Strip Clubs arbeiten dürfen, stiegen wir zurück in unseren Bus. Nach weiteren 3 Stunden sind wir dann endlich in Toronto angekommen.

Im Vorhinein waren wir noch begeistert von der Idee, über Nacht zu fahren und somit die Übernachtungskosten zu sparen und den vollen nächsten Tag genießen zu können. Der Tipp wurde auch in diversen Weltreiseblogs beschrieben, um Geld und Zeit zu sparen. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht mehr superjung sind, oder daran dass wir zu verwöhnt sind, oder woran auch immer. Ich sage euch, wir hatten zwar einen vollen ganzen Tag vor uns, der aber voll fürn Arsch war, weil wir total im Arsch waren. Wir sind, nachdem wir unsere Rucksäcke im Airbnb-Apartment abgestellt hatten, noch ein wenig am Kensington Market entlang gelaufen, aber viel los war mit uns nicht mehr. Gegen 17 Uhr haben wir aufgegeben und sind zurück zum Airbnb gelaufen und direkt tot ins Bett gefallen. Die völlige Erschöpfung hat dann auch noch bis zum nächsten Morgen um 10 Uhr angehalten. Dann ging es, bis auf anhaltende Rückenschmerzen, so langsam bergauf und wir konnten Toronto endlich genießen. Gestern ging es zu Fuß von Downtown Toronto über die Harbourfront und dem Lawrence Market zum Destillery District und schließlich bis zum City Centre. Heute sind wir mit der Fähre zu den Toronto Islands gefahren und bekamen Meeres-Feeling und eine super Skyline bei traumhaften Wetter für umsonst 🙂

Morgen war es das dann schon wieder mit Toronto. Es geht mit dem Mietwagen nach Little Britain (ca. 90 Minuten von Toronto entfernt) zu unserem ersten Housesit.

 

Aufgepasst, hier kommt mein Blogbeitrag Nr. 2. So langsam werde ich warm mit diesem „Schreiben“, manchmal benötigt es auch nur einen kleinen Stoß von Laura in die richtige Richtung. Ich sitze hier also auf der Terrasse der Brenner`s, die Sonne scheint und Denver, ein 9-Monate alter Boxer, kaut mir am Ohr. Ideale Vorraussetzungen, um die letzten sieben Tage zusammenzufassen. Zwei davon waren unsere letzten Tage in New York. Hier wurden schwere kulturelle Geschütze aufgefahren. Es galt das MOMA zu erkunden. Das Museum der modernen Kunst. Das Beste was die Kunstwelt derzeit zu bieten hat, nicht nur in New York, sondern weltweit. So die Worte unseres AirBnB-Vormieters Carol, Fotograf und Lebenskünstler. Natürlich mussten wir uns davon selber überzeugen. Ich sag mal so, zum Glück war der Eintritt an dem Freitag kostenlos…für manche Sachen braucht man anscheinend einfach etwas länger. Etwas verstört und auf der Suche nach Alkohol hat es uns dann ins Rumhouse verschlagen. Eine feine Bar mit Livemusik, endlosen Reihen von Rum und Cocktails. Der perfekte Abschluss für das Kapitel New York.

Am Samstag nahmen wir uns einen Mietwagen und sind nach Philadelphia gefahren. Die Sehenswürdigkeiten waren schnell abgehakt (City Hall, Liberty Bell, Reading Terminal Market) und aufgegessen (Philly Cheesesteak). Wir waren schließlich nur aus einem Grund hier: Justin Timberlake! Ein echt gutes Konzert mit einer fetten Bühnenshow. Der Frauenanteil lag so bei um die 95%. Würde Laura jetzt diesen Beitrag schreiben, dann würde die Beschreibung noch etwas euphorischer und detailreicher ausfallen. Aber wie war das nochmal mit dem höchsten Lob des Westfalen: Ja, war OK.

Mit dem Zug ging es am Sonntag raus aus der Stadt und ab zu den Brenners, Lauras ehemalige Gastfamilie aus Aupair-Zeiten. Wir trafen sie an ihrem Verkaufsstand auf dem Straßenmarkt von Nanuet. Die Brenners stellen eigene Chilli- und Grillsoßen her. Sehr zu empfehlen, ich habe direkt mal die Sorte TKO (technical knock-out) probiert. Doof, dass man den Namen ernst nehmen sollte. Meine Zunge brennt immer noch und war stellenweise etwas taub. Wir haben die Brenners das letzte Mal 2010 besucht, wie die Zeit vergeht. Die Kleinen werden ja so schnell groß…aber gefühlt waren wir nur kurz für einen Monat weg.

Hier, in New City, geht es ruhiger zu als in New York. So haben wir Zeit für Basketball, Joggen mit den Hunden, „nur gucken“ in der Mall und Rad fahren. Die Amerikaner sind übrigens berühmt für ihre gut ausgebauten Radwege und Bürgersteige, nicht. Laura wird im nächsten Beitrag noch etwas mehr berichten. Ich würde ja jetzt gerne noch weiter schreiben, aber ich muss den Smoker beobachten, es gibt ein typisches amerikanisches Barbecue morgen. Und die 14 Kilo Rinderbrust brauchen halt ihre Zeit im Smoker, die ganze Nacht…